Hyperakusis – wenn das Hörsystem überreizt ist

Vom „Tinnitus“ haben sicher die Meisten schon mal was gehört. Ohrgeräusche wie Klingeln, Rauschen, Pfeifen oder Klopfen.
Ständig und unkontrollierbar.
Unkontrollierbar? Naja, mit Therapie und diversen, trainierbare Techniken lässt sich das Gewummer zwar nicht „wegschalten“, aber es lässt sich „eindämpfen“, also systematisch kontrollieren.

Nicht immer, aber immer öfter.
Klappt bei mir nicht so. Es kommen zuviele „Komponenten“ ins Spielchen.

„Mein Gott, so laut ist es hier doch gar nicht!!!“ ???
Das Empfinden ist so unterschiedlich wie jeder Mensch unterschiedlich ist.
Wenn Betroffene dann sagen sollen, WAS sie WIE hören, kommen sie oft ins Grübeln.

Denn wie erklärt man GERÄUSCHE, KLÄNGE?
Wie erklärt man das eigene Empfinden so, dass Unempfindsame oder weniger Empfindsame das verstehen?

Es hat was geknallt. WAS? Das wurde eben nur die Türe von nebenan zugemacht.
Schrei nicht so. ??? Ich rede leise!
Was hast du grad gesagt? Menschenskinder! Wie laut soll ich denn noch reden?

Diese ganzen Umweltgeräusche, die manch einer extrem, manch einer gelassen wahrnimmt und manch einer nur, wenn man ihn darauf aufmerksam macht… sind immer da.
Die beschriebene „Überempfindlichkeit“ , wie ich sie oft an mir feststelle, wird wissenschaftlich „Hyperakusis“ genannt.
link zu tinnitus-liga.de – hyperakusis
link zu tinnitusweghoeren.com – hyperakusis

Schon mal gut, dass ich nach langen, ausgedehnten Surf-Spaziergängen im weltweitem Netz diese Bezeichnung und diverse Ratgeber-, Klinik- und Interessenseiten gefunden habe. Nun weiß ich also, WAS ich habe.
Aber ich weiß nicht immer, wie ich damit umgehen soll.
Wenn meine Mitmenschen, die ein offensichtlich „normales“ Hörempfinden haben, von mir genervt sind.
Wenn ein Chef mir im Trubel des Telefonklingelns, ein für mich lautes Gespräch dreier Kollegen und ein Telefonat eines weiteres Kollegen etwas sagt, ich zwar wahrnehme DAS er etwas sagt, aber nichts höre und schon gar nichts verstehe. Wenn er dann – verständlicherweise – genervt ist und sich fragt, ob ich die „Richtige“ hier bin.
Soll ich ihm dann sagen „Es tut mir leid, aber ich habe gerade nichts verstanden, weil ich es eben als sehr laut hier empfunden habe.“
Wenn er dann fragt (fragen sollte, falls er nicht schon kopfschüttelnd und angenervt die Lokalität verlassen hat), was denn mit mir los ist…
Soll ich dann sagen „ich habe Hyperakusis“ und ihm vorbereitete Erklärungsblätter vorlegen?

Hyperakusis bild edited by hoschkat

Hyperakusis
bild edited by hoschkat

DAS ist das eigentliche „Problem“. Wie geht man damit um, wenn man selbst Betroffener ist? Derjenige der seine Umwelt und unmittelbare Umgebung als „zu laut“, „zu leise“, „zu hektisch“ und so weiter wahrnimmt?
Kann man von den Mitmenschen erwarten, dass sie WIEDER ruhiger, entspannter werden, reden, erzählen?

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