Wer bestimmt eigentlich die „Belastbarkeit“!?

Wer bestimmt eigentlich die „Belastbarkeit“!?

„Nach Kraft ringen. Das klingt alles so dramatisch.
Man tut, was man kann, und legt sich dann schlafen.
Und auf diese Weise geschieht es,
daß man eines Tages etwas geleistet hat.“

Paula Modersohn-Becker, geb. Becker,
deutsche Malerin und bedeutende Vertreterin des frühen Expressionismus
8.3.1876 – 20.11.1907

Ja, „man“ tut, was „man“ kann.
Aber das reicht oft – manchen Menschen – leider – nicht!

Dieses Wort liest und hört man mittlerweile so häufig, dass ich – und nicht nur ich – mich immer öfter frage, was das eigentlich ist.
Belastbar sein, Belastbarkeit…

Wie „belastbar“ jemand ist, sein soll oder zu sein hat – wer „bestimmt“ das eigentlich?

Der „Chef“?
Oder wir selbst?

Wird „Belastbarkeit“ irgendwie gemessen?

So nach der „Formel“

Chef schnauzt einen an
„Sie Armleuchter! Was haben Sie sich denn dabei gedacht, dem Kunden eine billigere Versicherung zu verkaufen, nur weil er kein Fahrrad hat!?“

und der Angestellte hat dann die „Wahl“ zwischen
zusammenzucken und Angst haben den Job zu verlieren
oder
sich rechtfertigen, warum er so (kundenfreundlich!) „gehandelt“ hat
oder
dem Chef den „gedachten“ Mittelfinger zeigen und den Anschnauzer kommentarlos als „Blabla“ abtun
???

Wenn ich – so bin ich nunmal – darüber nachdenke, WER bitteschön
solche Wörter erfindet –
wer sich als der-/diejenige ermächtigt,  der/die
die Menge an Belastbarkeit  „definiert“ ,
die ein Mensch oder ein Tier !!! haben „soll“ …

Ob der-/diejenige sich bewusst ist, wieviel MACHT er/sie sich selbst einräumt?
Ob er/sie selbst überhaupt dieser „Belastung“ standhalten kann, die er/sie von anderen erwartet oder sogar einfordert?

Eine gegoogelte Seite ( link zu https://karrierebibel.de/belastbarkeit/ )
erklärt mir dazu:

Belastbarkeit zeigt sich im richtigen Umgang mit Stress.
Es geht nicht darum, Druck und Stress einfach nur zu ertragen,
sondern diese zu verarbeiten,
Ausgleiche zu finden und auch seine eigenen Grenzen zu kennen.

aha…
also „ertragen“ sollte man den „Druck“  – warum eigentlich?
„nur zu ertragen“ ist schon eine irgendwie freche Formulierung.
Empfinde ich als dreist – denn zu „bestimmen“ wieviel ein Mensch oder Tier zu „ertragen“ vermag, ist völlig un-empathisches Denken und Handeln…

Das kann doch nur eine/r geschrieben (sich erdacht) haben, der/die selbst nie wirklich schlimm in der Situation war, etwas wirklich ertragen zu „müssen“

Belastbarkeit bedeutet, Rückschläge verkraften zu können.
Wenn etwas nicht geklappt hat, kann man es einfach bleiben lassen
und sich damit abfinden – oder sich zusammenreißen,
neue Kraft sammeln und einen neuen Anlauf starten,
bei dem man aus Fehlern lernt und es besser macht.

aha…
sich „zusammenreißen“ also.
Dieses Wort ist so unbarmherzig kalt und brutal.
Kein Mensch und kein Tier kann sich noch „zusammenreißen“,
wenn er/es das Erfahrene nicht verkraftet
oder es noch gar nicht „erfasst“ hat.

Beispiel TIER:
Ein Esel, der (vom Menschen!) dazu gezwungen wird,
(schwer-)gewichtige Menschen und/oder deren Gepäckstücke
weite Kilometer, womöglich steiniges, bergiges Land entlang
zu er-tragen…
kippt um – seine „Belastungsgrenze ist damit definitiv erreicht! – und soll sich dann noch zusammenreißen ?!?

Erbarmungsloses Denken und „Fühlen“ eines überherrschenden Menschens…
denn sowas kann sich kein „fühlendes Tier-Wesen“ ausdenken – nur ein so genannter „abgestumpfter“ Mensch!

Belastbarkeit hilft, Widerstände zu überwinden.
Jeder kann versuchen Problemen aus dem Weg zu gehen,
doch ist dies nicht nur ein Zeichen von fehlender Belastbarkeit,
sondern führt auch dazu, dass sich diese nicht entwickeln kann.

aha…
Der Esel geht also mit dem Umkippen
– nach der ungeheur demütigenden, beschwerlichen „Aufgabe“ – welche ihm vom unbarmherzigen Menschen aufgezwungen wurde –
durch sein „Umkippen“ –
seiner „Unbelastbarkeit“ *grrr*
„Problemen aus dem Weg“?
Jo, er liegt um, ist womöglich TOT und kann sich somit dann nicht mehr „weiter entwickeln“.

Wieviel Häme und Abwertung liegt in diesem einen Wort eigentlich, WENN man es mal so betrachtet…
dass es eben immer Menschen und Tiere geben wird (und gegeben hat)
die –
nach den „Kriterien“ unempathisch herrschender Menschen –
„unbelastbar“ sind…

Meine „Belastbarkeit“ ist zum Beispiel laut dem Bericht der „Reha“
„stark eingeschränkt“ – dem „allgemeinen Arbeitsmarkt“ nicht mehr gerecht werdend…
Wow.

Wenn der „allgemeine Arbeitsmarkt“ so aufgestellt ist,
dass man dem
ewigem Zeitdruck,
dauerndem Leistungsdruck,
stetiger Arbeitsverdichtung und
der im „Arbeitsmarkt“ umumgänglichen „Vergleichbarkeit“
nicht mehr oder nur noch unter immensem eigenen „Zusammenreißen“
standhalten kann…

Dann ist es für mich nicht mehr verwunderlich,
(aber es macht mich wütend, verzweifelt und ängstlich!)
dass die menschliche Gesellschaft teilweise so enorm abgestumpft ist
und ständig nach „schneller, höher, weiter“ giert…

das selbst Pandemien, Klimakrisen und Kriege in all ihrer furchbaren Weise –

die sich die menschliche Gesellschaft zum Großteil auf ihre eigenen Fahnen zu schreiben hat!!! –

sie nicht zum Innehalten, Nachdenken und Veränderung zum Besinnen der Würde jedes Wesens
bringt…

Jeder Esel, der so wie ich weiter oben beschrieb, schuften „muss“,
ist in meinen Augen viel mehr als ein Mensch, der andere nach „Belastbarkeit“ einstuft und wertet…

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