nun 7.5 Minuten mehr Pflege-Leistungen

Heute morgen konnte ich mir die Regionalzeitung aus dem Briefkasten unserer – sich gerade im Urlaub befindenden – Nachbarin „mopsen“.  Es freut mich immer besonders am Wochenende, wenn die Zeitungsausträger die nicht bis zum zerreissenden „Ende“ in die Briefkastenschlitze „schieben“.

Froh und hochinteressiert begann ich, die Volksstimme zu lesen… oh – ein Artikel über die Pflege, gleich auf der ersten Seite…

 

Über tausend Euro Zuzahlung, für einen Heimplatz. Im (sachsen-anhaltischen) Durchschnitt.

Das „Heimbewohnen“ im Alter kein „Rentner-Urlaubs-Dasein“ ist und die Herrschaften „froh sein können…“ nun ja, diese Aussagen manch anderer Leute schmerzen mich immer, wenn ich sie höre.
Auch wenn sie was Wahres in sich tragen.

Woher sollen die Senioren diese Summen nehmen?
Auszug aus volksstimme.de – Rente soll im Sommer steigen
„… Männer kamen nach dem aktuellen Rentenversicherungsbericht zuletzt auf eine durchschnittliche Rentenzahlung von 1065 Euro, bei Frauen waren es am 1. Juli 2016 im Schnitt 671 Euro. …“

ÄÄhm, meinen Mathematikkenntnissen entsprechend (ich hatte eine ZWEI = Gut 😉 )
bin ich leicht verwirrt.
Ein/e „normale/r“ RentnerIN/SeniorIN wird ihre Heimplatz-Zuzahlung also sehr wahrscheinlich nicht
oder kaum aus ihrer – meist schwer arbeitend verdienten – Rente bezahlen können.
Somit wird – bei normal-geringem Verdienst der „zahlungsrelevanten Verwandten“ 😉  und Einsicht der  „Notwendigkeit“ – „der Staat“ die Zuzahlungsdifferenz zahlen (müssen???).
Habe ich sooo oft während meiner Betreuungstätigkeit miterlebt, dass dann das „Sozialamt“ kam und schaute OB es denn…“notwendig“ sei,
diese/n SeniorIN denn wirklich „stationär“ pflegen und betreuen lassen zu müssen…

Diese Verhandlungen werden bestimmt „hochexplosiv“ geführt.
Aus sicherer „Quelle“ (die Person ist aus meinem Familienkreis, arbeitet als gesetzliche Betreuerin und möchte natürlich nicht genannt werden 😉 )
erfuhr ich, dass es dabei um „Centbeträge“ geht.
Beim Essenbetrag, beim Betrag für Einlagen, für alle Pflegeleistungen, fürs Tabletten „stellen“ und so weiter.
Nahezu jeder „Handgriff“ in der Pflege (nicht nur in der Altenpflege!) wird sekundenmäßig „gewertet“ und in „Geldleistungs-Beträge“ eingestuft.

Somit wird eben so manche Leistung mit einem „Betrag vergütet“, den die ausführenden PflegerINNEN meist nur belächeln oder beweinen können…

siehe auch: volksstimme.de – aok gerät wegen pflege in Kritik

Dem Kommentar zum Zeitungsbericht heute kann ich nur beipflichten:


Wenn mit „Pflege“  auch „Geld erwirtschaftet“ wird und werden „muss“, kommt das Soziale, das „Menschliche“, das Ehr- und Achtbare“ im Alltag der Senioren und Seniorinnen zu kurz.
Wenn es auch da ums Geld geht, wird es nicht besser.

Meine Bitte an die „Geld-Verhandler und -Ausgeber“:
Hört endlich auf, das Menschliche Tun am Menschen oder am Tier nur mit Geld
„zu werten“!
Begreift doch, dass nichts dringender und notwendiger ist,
als sich dem empathischen, ehrlichen Tun, Betreuen, Pflegen
ohne Zeitdruck oder
Essenskosten-Eingrenzungen oder
Marmeladenweißbrotscheiben-Abzählungen oder
„Toilettentraining“ durch ehrenamtliche Helfer  !!!  zu öffnen!
Fangt an, euch im Alltag der Altenheime ohne Wenn und Aber mal ruhig und bedachtsam unangemeldet umzusehen.
Schaut einem/r PflegerIn  ohne Stoppuhr und Maßband zu. Helft ihr, schwer mobilisierbare Bewohner zu lagern,
helft ihr beim Waschen, beim Diskutieren ob ihre Goldkette gestohlen wurde oder sie sie „nur verlegt“ hat.
Helft ihr, wenn ein hochdementer Mann seiner Tischnachbarin „ein wenig“ zu nahe kommt, diese dann schimpft und ihm ihre Gabel in den Arm stecken „möchte…
Seid aber auch bei den sanften, angenehmen „Momenten“ mit allen Sinnen dabei, wenn die Bewohnerin lächelt, dankbar ist, WEIL sich der/die PflegerIN eben ein wenig sanfte, zärtliche Zeit beim Anziehen und Kämmen genommen hat…

Achja, dazu noch ein Wow!

Siebenkommafünf Minuten mehr Leistungen täglich… und damit

Zitat: „…  eine bessere Pflegeleistung am einzelnen Menschen.
Es seien somit nun 7.5 Minuten mehr Leistungen pro Heimbewohner und Tag möglich, wodurch auch mehr Lebensgestaltung gegeben ist z. B. in Gruppen.“ Zitatende

Wo bleibt nur meine Begeisterung? Ich suche sie mal, in siebenkommasechs Minuten.

link zu frafora-blog.de – die-pflegereform-bedingt-einen-systemwechsel-und-ein-umdenken-aller-beteiligten/

Was hat sich seit Einführung der Pflegeversicherung getan?
Seit 30 Jahren ist Frankfurter Grünenpolitikerin Ilka Werner als pflegende Angehörige aktiv. Sie hob hervor, dass die Pflegeversicherung seit 1995 schon eine entlastende Wirkung hatte. Angehörige könnten heute aber mehr entspannen als damals, allein schon wegen vielfältiger Angebote und Möglichkeiten, die das Gesetz biete. So erhielten Krebskranke nun auch im häuslichen Bereich palliative medizinische Unterstützung und psychisch oder an Demenz Erkrankte erhielten nun gleichberechtigt Pflege- und Betreuungsleistungen. Werner räumte ein, dass Angehörigenpflege auch in die Erschöpfung treibe könne. Dass für diese Lage das Pflegeheim eine Alternative sein kann, bestätigte Bernd Trost, der zwei Pflegeheime in Frankfurt leitet. “Wir können das Zuhause nicht ersetzen, aber wir können vieles ausgleichen.“ Das neue Gesetz bedinge in Hesses stationärer Pflege mehr Personal in den Häusern und damit eine bessere Pflegeleistung am einzelnen Menschen. Es seien somit nun 7.5 Minuten mehr Leistungen pro Heimbewohner und Tag möglich, wodurch auch mehr Lebensgestaltung gegeben ist z. B. in Gruppen. Dass der Systemwechsel in der stationären Pflege auch viele Ungewissheiten verursachte hatte, verhehlte Trost nicht. AOK-Vertreter Robert Ringer berichtete von langen Vorlaufzeiten bis zur endgültigen Systemumstellung innerhalb Kassen. Wegen vieler Antragstellungen, sei auch mehr Personal eingestellt worden.

Zeit füreinander ist nicht immer Geld!
Zeit füreinander ist nicht unbezahlbar.
Jeder von uns KANN zum Pflege“fall“ werden.
Nicht jeder kann sich „seinen Heim-Platz“ wirklich selbst „leisten“.
Keiner will im Alter die Weißbrotscheibe mit Marmelade noch halbiert zugeteilt bekommen!
Kaum ein Bewohner wird durch siebenkommafünf Minuten mehr „Betreuung“ täglich
schneller essen oder laufen können. Beim Gruppensitztanz dagegen könnten siebenkommafünf Minuten ausschlaggebend für ein Extrafreude-Tänzchen sein ;).  WENN die Betreuungskraft diese Minuten nicht doch dafür aufwenden muss, um die zehn bis zwanzig Gruppentanz-BewohnerInnen erstmal alleine aufzusuchen und nacheinander zum Raum zu bringen (Rollstuhl-schiebend, Rollator helfend oder unter den Arm greifend), zu platzieren ohne „Stänkereien“…

Auch interessant:

pflege-durch-angehörige.de
volksstimme.de – wenn Pflege zu Armut führt

 

2 Gedanken zu “nun 7.5 Minuten mehr Pflege-Leistungen

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