Macht „arm“ gleich „aggressiv“?

Die Essener Tafel – ein Medienaufreger und viele schimpfen mit.
Manche schimpfen auf die „Ausländer“, andere über die Sozialverbände, wieder andere über diese Tafel-Einrichtung und so viele über die Politik.
Das erste, was ich damals dachte, als ich die Schlagzeile und ein paar Erklärungen des Herrn J. Sartor hörte, war „Wow, da traut sich einer mal was … öffentlich zu sagen“.
Ich empfand dies als Hilferuf.
Nicht als „Ausgrenzung von…“


Beim näheren Befassen mit der ganzen „Geschichte“ bekam ich aber wieder mehrere Stühle vorgesetzt, in einer Art Spirale, in der ich nicht wusste ob ich mich auf oder zwischen diese Stühle setzen könne und sollte…

Auch ich nutze das Angebot der hiesigen „Ausgabestelle“, für uns einmal pro Woche gespendete Lebensmittel für 1,50 Euro pro Person
(ja, umsonst ist nichts! Auch in diesen Einrichtungen entstehen Kosten, die nicht immer durch termingerechte Spendengelder aufgefangen werden können)
ausgegeben zu bekommen.
Wir stellen frühmorgens die „Taschen“ in einer Reihe ab, so wie die Leute nacheinander kommen.
Ab neun Uhr nimmt dann eine ehrenamtlich-tätige, junge, freundliche Frau nacheinander die Tasche(n) und die vorher in der „Wärmestube“ gekaufte „Marke“
(auf der u. a. die Personenanzahl drauf steht) ab
und fragt, ob sie bestimmte Dinge nicht reintun soll.
Denn sie kann eben nur geben, was grad da ist.
Sie sucht dann entsprechend einiger „Vorgaben“ zusammen, was eben für die Personenanzahl (bei uns zwei) passend erscheint und gibt die Tasche(n) dann aus dem Ausgabehäuschen wieder heraus.

Wir sind sehr dankbar für diese Möglichkeit der Unterstützung unserer „Einkaufsmöglichkeiten“.

Denn das darf eben auch nicht in den hintergrund gestellt werden:

Es ist eine Unterstützung, keine Vollversorgung!
Es sind gespendete (Lebens-)Mittel, die entweder kurz vorm Ablauf des „Mindesthaltbarkeits-Datums“ stehen, oder – wie zum Beispiel Backwaren -am Vortag nicht mehr verkauft wurden, aber durchaus noch ess- und genießbar sind.
Es sind Lebensmittel, die manchmal schon ein klein wenig „angegangen“ sind, wo aber der Großteil der z.B. Radieschen eben noch verwendbar sind.

Es sind Spenden.
Es ist kein Abfall!

Und darum wird sich nun gestritten? Von Menschen – egal welcher Herkunft oder Kultur! – die glauben, sich durchdrängeln zu können, sich vordrängeln zu müssen, nichts mehr „ab zu bekommen“ oder einfach aus „Ich will haben“ – Mentalität?

Es ist auch mir schon „passiert“.
Meine Tasche wurde „weggetreten“ und ich habe mich freundlich aber bestimmt genau da mit meiner Tache wieder hingestellt. Glücklicherweise bin ich körperlich nicht so zart und zerbrechlich wie… vielleicht einige ältere Herrschaften…
die sich dann tatsächlich nicht trauten, als sie weggeschubst wurden, sich dagegen zu wehren.
Ich muss nicht randalieren oder herumschreien, sondern bleibe ruhig und bestimmt.
Habe auch schon einige Male die drangsalierten Leute „vor mich“ gelassen, damit sie eben nicht weiter eingekesselt oder bedrängt werden können.
Böse Blicke und (mir aufgrund nicht vorhandener Sprachkenntnisse) oftmals nicht verständliches Gebrabbel stören mich dann gar nicht.

Muss das alles sein?

Was ist an einer – in einer Reihe nacheinander anstehenden – Menschenschlange denn so unverständlich?
Warum ist diese „ich zuerst“ – Mentalität mittlerweile so stark ausgeprägt?

Diejenigen, die sich an der Ausgabestelle „bei uns“ entsprechend unhöflich, undankbar und womöglich stänkernd-randalierend verhalten, wurden meistens von den anderen und der jungen Frau (vor der ich wirklich Hochachtung habe!) entsprechend zurechtgewiesen. Sie kann auch, sollte es notwendig sein, aus der Wärmestube einige männliche Helfer zur Unterstützung heranrufen.

Für mich ist klar:

Es sind größtenteils wirklich Bedürftige, die sich bestimmt nicht gern morgens um fünf Uhr an das noch verschlossene Tor stellen, ihre Tasche(n) abstellen, dann womöglich wieder nach Hause gehen müssen oder sich unter das als Schutz dienende Carport setzen und bis neun Uhr warten.

Es ist eine verfehlte Sozialpolitik, aber nicht erst jetzt. Schon viele Jahre gibt es die Tafel, die ein Verein ist und sich meiner Meinung nach zwei Dingen verschrieben hat:
Die Unterstützung der Bedürftigen und (dafür) die „Rettung“ von noch genießbaren Lebensmitteln.
Oftmals kommen noch Kleiderkammern, Friseurbesuche, Suppenküchen oder günstige Möbel etc. zur Tafeltätigkeit dazu.

Die Leute, die das alles verharmlosen, schön reden, mit Statistiken „erklären“ und verklären wollen, die ärgern mich wirklich.
Diejenigen, die entweder keine Ahnung davon haben, wie es sein muss, „bedürftig“ zu sein,
oder sich gelegentlich sehr medienwirksam mal mit einer Kelle in der Hand und einer Schürze um die Hüfte fotografieren lassen…
Die sollten mal nachdenken was genau alles „dahinter“ steckt.

Und diejenigen, die sich immer vordrängeln wollen, die auch in solchen freiwillig-ehrenamtlichen Anlaufstellen ihre Aggressionen (??) rauslassen, sollten schlicht und einfach verwiesen werden.

Bedürftig zu sein, ist keine Schande mehr.
Bedürftigkeit ist aber keine „Entschuldigung“ für das manchmal wirklich unglaubliche Benehmen mancher dort HILFE !? suchenden.

Die Essener Tafel und deren dort Tätige werden meiner Meinung nach (ich habe in den letzten Tagen in den Medien sehr viel darüber recherchiert) sicherlich notgedrungen diese Entscheidung –
erstmal keine NEUkunden ohne deutschen Pass mehr aufzunehmen –
getroffen haben.

Sie suchen schon nach einer Alternative.
Leider suchen diejenigen, die mitverantwortlich für diese ganzen Misere sind, nur nach Ausflüchten.

Sich auf ehrenamtliche, gemeinnützige Verbände zu verlassen, ist mittlerweile offensichtlich ganz „normal“.
Das ist es aber nicht!
Erst recht nicht, wenn diese dort tätigen Menschen nicht mehr geachtet werden, sich womöglich vollmeckern lassen müssen oder sich gar bedroht fühlen.

Wenn es keine Tafeln mehr gäbe, würden die „zuviel“ erzeugten Lebensmittel (was an sich auch echt makaber ist…) auf den Abfall fliegen, in Tonnen geworfen und vergammeln.
Menschen, die manchmal nicht mehr wissen, wie sie zum Beispiel die Strom-Nachzahlung bezahlen sollen oder Medikamente zuzahlen müssen und dann überlegen, was nun wichtiger ist…
würden dann in eine extreme Notlage geraten.

Keiner kann nachvollziehen, wie sehr Armut und Bedürftigkeit auch an der eigenen Scham und der Seele schmerzen.
Wer damit prollt, sich da vorzudrängeln, der ist – sorry! in meinen Augen nicht bedürftig.

Ich werde weiterhin helfen, der kleinen „Omi“ oder dem Opi oder der jungen Frau von der Ausgabestelle oder eben denjenigen, die nicht provozieren.

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