Necken? Ärgern? Mobben?

Es fing irgendwie schleichend an. Dieser neue Kollege, der (nach der Neustrukturierung) einer der Vorgesetzten war.
Der beim ersten Zusammentreffen noch beim „Guten Tag“ in der Vorstellungsrunde lächelte. Dem nach und nach immer weniger Freundlichkeit zu eigen war. Dessen Worte immer härter wurden, dessen Augen sich immer öfter verdrehten, dessen „Späße“ immer demütigender wurden.
Fast alle anderen lachten über die Scherze. Fast alle

hatten ihren Spaß an den „Kabbeleien“.
Bis nach gut einem halben Jahr die ersten Unterlagen „verschwanden“ und der Ton deutlich spürbar rauher wurde.
Bis ich von ihm immer häufiger mit beispielsweise „was bist du für ne blöde Kuh“ angeschnauzt wurde oder er mich im Zusammensein mit den anderen Kollegen ganz augenscheinlich ignorierte, mich nicht mehr zurückgrüßte, mich anrempelte oder mir nur noch abwertende und verletzende Antworten auf fachliche Fragen gab…

Bis die Hausärztin mir keine weiteren Beruhigungsmittel mehr verschreiben wollte, sich auch wegen meiner starken Gewichtsabnahme und Zittrigkeit sowie den zunehmenden „depressiven Verstimmungen“ sorgte… und mich krank schrieb.

Meine Kündigung allerdings war ganz offenbar schon einige Wochen vorher auf seinem „Mist“ gewachsen und wurde mir dann zugestellt.

Heute ist „Behaupte dich gegen Mobbing – Tag“.
Wo hört Necken auf, wo fängt Mobbing an?

Schon in der Kindheit, in der Kita und später in der Schule… fängt das an.
Kann die betroffenen Kinder mürbe und anfällig machen für den Rest ihres Lebens.
Zieht heutzutage durch die mediale Vielfältigkeit ungeahnte, riesengroße Spiral-Kreise…
#metoo – sexuelle Belästigung – ist auch eine Art von Mobbing.

Mobbing ist  Unterdrückung, Erniedrigung, Demütigung und Machtmissbrauch, Herabwürdigung und gewollte Selbstbewusstseins-Kränkung.

Wenn der Boss oder die Chefin selbst  einen oder mehrere der  „Untergebenen“  mobben,   ist das „Bossing“ und zeigt die nicht vorhandene  Leitungs- und Sozialkompetenz des Vorgesetzten.

Das zu wissen, hilft  einem Mobbing-Betroffenen aber nicht wirklich weiter.

Es sind oft erstmal Worte, die für andere spaßig klingen, die aber nicht spaßig sind.
Wenn Herr X. im Beisein von Kollegen grinsend „Naa, heute schon ne Runde unterm Schreibtisch gehockt?“ sagt, klingt das nichts von der „Vorher-Situation“ Wissende schon mal wie ein Scherz.
Für denjenigen, der aber unter den Schreibtisch krabbeln musste, weil Herr X. fünf Minuten vorher, als noch keine weiteren Kollegen dabei waren, von DEM Schreibtisch ein paar Unterlagen herunter“geschubst“ hat… und danach grinsend-polternd sagte „Heben Sie das gefälligst auf!“ – für denjenigen klingt das fies, demütigend und herablassend.

Keiner kann einem anderen das Maß vorgeben, was er auszuhalten hat.
Jeder Mensch und jedes Tier hat unterschiedliche Empfindungen und damit auch unterschiedliche Belastbarkeits-Grenzen.

Sich gegen Mobbing zu behaupten, ist sicher in manchen „Fällen“ machbar.
Wenn zum Beispiel andere Kollegen, die vielleicht auch was mitbekommen (haben), den Ar… in der Hose haben und den Betroffenen nicht alleine im sauren Regen stehen lassen.
Wenn es einen vernünftigen Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragten oder andere(n) Ansprechpartner in der Firma gibt, dem man auch wirklich vertrauen kann.
Wenn es eben NICHT der/die Vorgesetzte ist, der/die selbst mobbt.
Wenn es…  endlich mal allen klar wird, das Mobbing ein Zeichen für Unfähigkeit des Mobbers selber ist.
Und wenn die „Opfer“ nicht mehr verhöhnt oder in die Enge getrieben werden.
Sondern Hilfe finden statt Spießruten laufen zu müssen…
Wenn sie nicht mehr vom Jobcenter oder Arbeitsamt erstmal ne Sperre bekommen, weil sie selbst erst alles beweisen müssen und das dann ewig lange durch einige Amtsräume und Hände gereicht wird, um es zu prüfen.
Wenn sie nicht mehr das Gefühl vermittelt bekommen, „Täter“ statt „Betroffene“ zu sein und somit nicht mehr als „Du bist doch selbst schuld“-Verhämte behandelt werden.

Wenn die Mobber für ihr Tun bestraft werden und nicht die Gemobbten, die unter der Existenznot leiden müssen – DANN kann man sich gegen Mobbing behaupten…

Ein Gedanke zu “Necken? Ärgern? Mobben?

  1. Oi….das kommt mir wirklich sehr bekannt vor….zu bekannt. Alles…..von Gewichtsabnahme bis hin zu den Beruhigungsmitteln und der Gewichtsabnahme. Bis hin zur Krankschreibung. Und einer Kündigung, die allerdings auf meinem Mist gewachsen ist.

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