Trinken wir auf Carlo…

Jeder weiß es oder sollte es wissen, aber wir möchten doch nicht daran denken. Das Alter…
Wie wird es sein, wenn wir „plötzlich“ alt … UND vielleicht dazu noch pflegebedürftig sind?
Das Sozialsystem scheint die „Alten“ hin und her zu schieben. Medial präsentierte Reformen und Gesetzesneuerungen sollen den Eindruck erwecken, es würde sich doch gut gekümmert.
Mal ehrlich… tut sich wirklich was?

Der ZDF-Beitrag von „37 Grad“  gestern abend war für mich wie ein Spiegel  in meine stationäre Alten-Demenz-Betreuungstätigkeit.

Zwei Pflegekräfte, eine stationäre  Pflegerin sowie ein amblanter Pfleger zeigten einen Einblick in ihren Berufsalltag, mit allen Freuden und auch den schwierigen Situationen.
Mit fröhlichen und traurigen Momenten.

Den besuchten Patienten war die Freude über die „Abwechslung“ durch den Besuch des jungen Mannes anzumerken, aber auch ihre Einsamkeit, wenn er sich nach seinen Aufgabenerledigungen und ein paar netten Worten und Gesten wieder verabschieden musste. Mir hat er sehr imponiert, denn ich weiß wie sehr das Gewissen piekst, wenn man eigentlich nicht weg gehen möchte… wenn man denkt „naa, ob er morgen noch so fröhlich hallo sagen kann oder gar noch lebt?“

Die Pflegerin im Heim hat mich besonders berührt, als sie vor ihrem eigentlichen Dienstbeginn mit einer Bewohnerin einen Spaziergang unternahm, auf den Wunsch der alten Dame hin, die gern sehen wollte wo sie einmal beerdigt würde.
Die tiefe Empathie und vermittelte Wärme hat mir wahrlich Gänsehaut beschert.
Die Traurigkeit der Bewohnerin, die so dankbar dafür war, dass sie „wenigstens eine hat die sie umsorgt“.
Später der Besuch bei dieser Dame, die unerwartet so schwer erkrankte das sie in ein Hospiz verlegt wurde…

link zur zdf mediathek – 37 grad – mehr als satt und sauber

Dieses Video ist laut zdf mediathek verfügbar bis 15.01.2019, 23:55

Die menschliche Nähe, wie wichtig ist sie gerade für die Älteren, die sich kaum noch selbstständig versorgen können. Es geht HIER nicht um die vielen (Mobilitäts-) Hilfsgeräte, die meist teuer und für manche unerschwinglich sind.
Es geht HIER nicht um „Haushaltshilfen“ oder „Essensversorgung“.
Es geht um das Dasein und dableiben können, wenn ein Mensch die Wärme und die Kommunikation mit einem anderen Menschen möchte und/oder braucht.

DAS mit Geld aufzuwiegen, wird keine Rentenkasse, kein Dienstleister, kein Politiker wirklich in Erwägung ziehen. Denn das rechnet sich nicht.
Doch würde „es“ sich „rechnen“, wenn es erst gar nicht zu solch einer Vereinsamung käme. Wenn echte Hilfen in Form verständnisvoller, zeithabender und nicht überforderter sondern zufriedener Betreuer und Pfleger in Betracht gezogen würde.

Jeder wird wahrscheinlich selbst mal alt, womöglich noch pflegebedürftig.

Achten wir diejenigen, die mit Würde und Anstand, mit Verständnis, Fachwissen, Achtsamkeit und Empathie für „unsere Alten“ sorgen und nicht nur Minuten und Zahlen dabei sehen und fühlen.
Meinen herzlichen Dank an die gezeigten Pflegekräfte für ihren Einsatz und ihre Berufsethik.

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