Chaos in Kopf & Körper

Man merkt nie, was schon getan wurde, man sieht immer nur, was noch zu tun bleibt.
Marie Curie

Zehn Arbeitstage habe ich nun im neuen Job hinter mir.
Zehn Tage die mich körperlich und auch psychisch nahe an den Rand des Erträglichen gebracht haben.

Eine Verkäuferin verkauft freundlich Waren und präsentiert das Unternehmen, sie verräumt Waren und sorgt insgesamt für ein kundenfreundliches Ambiente. Das ist schon seit vielen Jahren so.

Nun erfahre ich an Leib und Seele, WAS eine Verkäuferin inzwischen aber noch außer dem kundenfreundlichen Präsentieren und Verkaufen so tun muss.

Es gibt zwei Kassen und drei verschiedene Verkaufs-Systeme dort.
Die Frühschicht beginnt sehr früh.
Es sind 45 Minuten dafür vorgesehen, die Kassen zu kontrollieren, zu protokollieren, verschiedene Systeme zu aktivieren und diverse andere „Verrichtungen“ zu erledigen, bis dann um fünf Uhr das Geschäft geöffnet wird.

Die reine „Verkaufs“-Kasse ist für mich okay, damit komme ich soweit klar und habe auch mit den Kunden null Schwierigkeiten. Dabei hilft mir mein Erfahrungsschatz aus der sozialen (Demenz-) Betreuungs-Arbeit wirklich sehr. Mich auf die Menschen um mich einzustellen, sie „an zu nehmen“ ohne Wenn & Aber. Zu kommunizieren, nonverbal und verbal. Wunderbar.

Doch die andere Kasse bereitet mir ständig Bauchschmerzen und Übelkeit.

Eigentlich nicht die Kasse, sondern das, was wir damit verkaufen. Und das sind Dinge… die mittlerweile weltweit in Papierform oder in Pappen verpackt versendet
oder über andere funkende Wege … vermittelt werden.
Ich werde das Ganze aus verständlichen Gründen nicht weiter benennen…
Dieses Sachgebiet ist mir natürlich vollkommen neu und trotz zehn Tagen, an denen ich schon kleine Wert“klebe“papierchen und einige andere Sendungen dort „bearbeitet“/verarbeitet/verkauft habe… graut es mir vor dieser Riesenverantwortung, wenn es eben nicht kleine bunte Klebepapierchen sind.
Ein ungemein großes Sachgebiet, mit ständigen Änderungen und Neuerungen, neuen Anweisungen, Datenschutz und höchstwichtigen Geschäftsbedingungen… nun ja. Wenn „man“ nicht aufpasst, kann man in jeglicher Hinsicht haftbar gemacht werden, mit nahezu allen Konsequenzen.

Dies ist DER Hauptgrund neben den mir doch sehr stark zusetzenden Schichtzeiten.
Ich habe Angst.

Angst, das ALLES doch nicht zu packen.
Nicht ab demnächst in einer Schicht, acht Stunden alleine.

Wenn Frühschicht ist, heißt das für mich: drei Uhr aufstehen.
Das heißt wiederum, um wenigstens sechs oder sieben Schlafstunden zu haben, gegen 20 oder 21 Uhr schlafen zu gehen. Wunderbar. Im Sommer. Wo es alle an den schönen lauen Abenden nach draußen „zieht“. Wo gefeiert und gegrillt, geschnasselt und gerufen wird. Fenster zu? Nun, schwierig ohne „Klimaanlage“. Egal. Dann sind oder waren es eben vier Tage lang nur drei, vier Stunden Schlaf.
Dafür dann neun Stunden Höchstkonzentration. Danach der Weg nach Hause, wenn als Selbst-Fahrerin mit zitternden Händen und Nerven.
Zuhause angekommen, NICHT aufs Sofa, damit die Müdigkeit bis zum Abend soweit erreicht ist, das man… vielleicht doch schon so zeitig einschlafen kann.

Die heftige Erschöpfung begann schon am zweiten Frühschicht-Arbeitstag. Trotz gutem Eigenwillen und Motivation durch das private engste Umfeld, ausgesuchte Vertrauens-Freunde und die Tiere (eine Art meiner „Therapie“) war ich am zweiten Frühschichttag völlig kaputt. Schon gegen Mittag, kurz vor Kassenabrechnung.
Achja, die jeweilige Kassenabrechnung. Und das ist nicht nur „Zählen“ und „Zusammenzählen“. Dafür bleibt mir ab demnächst etwa 30 Minuten.
Für zwei Kassen und drei Systeme. Ohne das andere „Drumherum“. Die schon länger tätigen Kolleginnen brauchen dafür nur etwa zehn bis 15 Minuten. Somit schaffen sie auch das weitere Verräumen und „Drumherum“ offensichtlich ganz locker.
Nunja, ich bin ja noch in der „Einarbeitungs-Phase“ und soll mir keinen Druck machen.

Doch der Druck ist so oder so da. Der wird mir sicher nicht mit Holzknüppeln überm Kopf gemacht, aber ich mache mir den für mich irgendwie „stärker“.
Selbst heute, einer der freien Tage zwischen den Schicht“blöcken“, war ich morgens verweint, zitternd und nervlich hochgradig flatterig.
Ich verarbeite „nachts“ (?) alles, was ich am vorhergehenden Arbeitstag erlebt habe. Ich erlebe sozusagen den ganzen Arbeitstag nochmal. Und wache dann mit nassem Gesicht auf.
Meine Hausärztin, die mir heute beim „allgemeinen Gespräch“ wegen anderen Befunden wieder mal anmerkte, dass „was ist“… meinte dann

„… Überforderung. Wie lange trauen Sie sich und ihrem Körper das noch zu?
Was machen die Beine?
Das viele, lange Stehen mit diesen Venen (zweimal schwere Thrombose)…
und es kann nun mal nicht jeder Kanzler oder Professor sein.
Nicht jeder ist für jede Arbeit geeignet. Manch einer empfindet soviel Druck als Motivation, andere lähmt es oder führt zu Fehlern oder Erschöpfung. …“

Und sie wisse ja, DASS ich durchaus alles andere als faul sei. Zweimal Burnout reichen ja wohl. Die beiden erlebten Extreme zeigen, dass mein eigentlich sehr starker Wille mir einige üble „Spielchen“ aufzwingt und wer sich so verausgabt…

Aber wir brauchen gerade ganz dringend die am Monatsende zu erwartenden Einnahmen!
Ein Teufelskreis… Hamsterrad…?

Wie lange noch? Dann klingelte es… der Wecker sagt mir, es geht wieder LOHOOS.

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4 Gedanken zu “Chaos in Kopf & Körper

  1. Es gibt Stress, den man als sinnvoll empfindet und den man sich auch ein Stück weit selbst macht. Dieser hängt auch mit einem gewissen Maß an Selbstbestimmung zusammen. Fremdbestimmter Stress geht ganz anders an die Substanz…..

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  2. Danke Maria, das ist nett von dir. Es verstehen nur sehr wenige Menschen, wie sehr einen die Arbeit zu schaffen machen kann. Für die meisten ist es ja nur „Mittel zum Zweck“ der Ernährung und Lebensstatus-Haltung. Das ist auch okay, wer das kann. Manche BRAUCHEN Stress um sich lebendig zu fühlen. Ich wiederum bin ein sensibles, eigentlich optimistisch-humorvoll-ehrliches und sehr harmoniebedürftiges Wesen. Das passt irgendwie nicht in diese „leistungsbetonte“ Arbeitswelt.
    Und doch bin ich fähig, „etwas“ zu arbeiten… und gehe nun jedesmal zitternd und innerlich angespannt los…
    Das zeigt doch, dass wir (die angeblichen „Burnouter“ die sich nicht so haben sollen…) NICHT „SCHWACH“ sind?! Und selbst wenn die „Schwäche“ stärker wird und einen platt macht, ist es … eben so. Danke und auch dir viel Kraft. LG Kat

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  3. Hallo, hier Maria. …ich finde mich in vielen Teilen (ich erlebte auch zwei Burnouts) von dem was du beschreibst wieder… für mich der Ausweg war, neue Wege zu finden und alte Wege loszulassen… das liest sich so einfach, war aber sehr schwierig und ich arbeite immer noch an mir…
    Alles Liebe und viel viel Kraft wünsche ich Dir! Ich fühle mit dir!
    LG
    Maria

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