Arbeitsverdichtung – die eierlegende WollMilchSau

Es gibt inzwischen einige, zum Teil sogar wissenschaftlich fundierte, Ausarbeitungen zum Thema „Arbeitsverdichtung“.


Leider ist es mittlerweile modern und legal, mehrere Berufsqualifikationen in einer Person zu verlangen. Mich macht sowas wütend und manchmal ein klein wenig mürbe.

Mir wurde von einer lieben Person meines sehr nahen Umfeldes eine Stellenanzeige geschickt, die erstmal – mit der Überschrift: „Webdesigner“ – hoch interessant klang.
Dann begann ich zu lesen:

Ihre Aufgaben:

  • kreatives Gestalten innovativer Online-Designs
  • Gestaltung von benutzerfreundlichen Webseiten und des Online-Shops
  • Konzeption und Definition neuer Webseiten, sowie Pflege und ständige Optimierung bestehender Webseiten
  • Ideengebung und Vorantreiben von Entwicklungen und Implementierung innovativer Webdesign-Konzepte
  • laufende Marktbeobachtungen zu Trends im Onlinebereich
  • Identifizierung, Bewertung und Erschließung neuer Verkaufskanäle
  • Organisation des Büroalltags: Überwachung von Terminen, Korrespondenz, Ablage, Telefon, Schriftverkehr etc.
  • Planung und Durchführung von Marketingmaßnahmen
  • Erstellung von Angeboten und Kalkulationen

Ihre Voraussetzungen

  • Sie verfügen über eine abgeschlossene Ausbildung/Studium im Bereich Marketing, Kommunikation, Medien oder ähnliches.
  • Erfahrung im Bereich Marketingassistenz und Werbung
  • Kenntnisse in der Anwendung von Layout- und Grafikprogrammen sowie MS-Office und Online-Tools
  • strukturierte Arbeitsweise und konzeptionelles Denken
  • Kreativität, Eigenständigkeit und Freude an der Programmierung und am Aufbau neuer Applikationen

Nähere Informationen erteilt die Agentur für Arbeit H…, Frau W…
Bundesagentur für Arbeit

 

Mir wurde dabei mal wieder bewusst, wie sehr sich die Arbeitswelt verändert hat.

Für DIESEN Job muss man (eigentlich) mehrere Ausbildungen haben. Man muss mehrere Programmier“sprachen“ beherrschen, um Websiten zu erstellen UND zu optimieren. Das allein ist schon heftig.
Mein Männe war zeimlich entrüstet als ich ihm das zeigte.  Denn er beschäftigt sich seit Jahren mit PC, Programmieren und hat mittlerweile diesbezüglich umfassende, leider nicht als „Beruf erlernte“! sondern selbst erlernte Kenntnisse.

Er meinte, das wäre wieder mal „typisch“:
Diese Aufgaben umfassen mindestens VIER Berufsfelder:
1 Programmierer zB Java/HTML/CSS/PHP/MySQL
+
1 Seo-Manager
+
1 Marketing-Manager
+
1 Bürokraft
und so ganz  „nebenbei“ noch das Webdesign.
Die müssten eigentlich mindestens 3 Leute einstellen und bezahlen. Das nennt sich „Arbeitsverdichtung“ und die Agentur für Arbeit spielt leider dieses miese Spiel mit.

Die dortigen Vermittler müssen das doch selbst wissen. Die erstellen doch diese Angebote selbst mit. Dabei sollten sie doch spätestens beim Schreiben erkennen, dass es hier ein wenig… sagen wir mal… zuviel des „Guten“ ist.

Und dies ist nur EIN Beispiel von vielen.

Zum Thema Arbeitsverdichtung schreibt zum Beispiel verdi-gefaehrdungsbeurteilung
In der betrieblichen Realität sieht es hingegen oft anders aus: Zu viele Aufgaben in Relation zu der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit, zu viele Aufgabenwechsel: Ohne Abschluss der vorherigen und Einstieg in die neue Aufgabe („fliegender Wechsel“), zu viele Unterbrechungen oder auch gleichzeitiges Bearbeiten mehrerer Aufgaben („Parallelmanagement“).

Das kommt mir alles sehr bekannt vor.
Mir wurde in einer Arbeitsstelle wortwörtlich von einem Firmeninhaber grinsend ins Gesicht gesagt „Es ist mir egal, wie sie das machen. Aber sie haben gefälligst in allen drei genannten Zimmern die Fernseh-Programme GLEICHZEITG wieder einzurichten! Wenn sie nicht in zehn MInuten damit fertig sind, haben sie hier nichts mehr verloren!

Na, es war allen (anderen Mithörenden) ganz klar, ausser natürlich dem Chef, das dies unter keinen Unständen machbar war. Aber er suchte auch schon monatelang einen Grund, mich kaputt zu spielen damit ich selbst kündigte. Denn die hatten – im Nachhinein zu Unrecht – einiges an staatlichen Fördermitteln für mich bzw. diese angeblich neu geschaffene Stelle eingestrichen. Daher hätten sie, wenn sie mich gekündigt hätten, diese Gelder plus Strafe zurückzahlen müssen.
Das Ganze war somit „Fördermittel-Betrug“.

 

Ein kleines Beispiel in einer für mich völlig neuen unbekannten Tätigkeit

Ich habe aushilfsweise einige Monate in einer kleinen Tankstelle den Verkauf gemacht.
Dazu gehörte unter anderem auch das Sauberhalten des Verkaufs-Raumes und auch des Tankstellen-Aussenbereichs, das Verkaufen von Benzin, Diesel und den Waren im Verkaufsraum, das Annehmen, die Retoure und das angenehme Präsentieren der Waren, Kaffeekochen und das Erwärmen von Snacks… genauso wie der höflich-fröhliche Umgang mit der Kundschaft.
Es war eine kleine Dorftankstelle. Mit zwei Zapfsäulen a´ zwei Zapfstellen und somit also vier Zapfmöglichkeiten. Einer großen Doppel-Thermoskannen-Kaffeemaschine und einer Grill-Mikrowelle.  Am besten „liefen“ Kaffee und Würstchen 😉

Donnerstags kam der Anruf der Bekannten, die dort oben so ziemlich alles gemanagt hatte. Sie müsse ins Krankenhaus und wäre danach einige Wochen nicht einsetzbar. Ob ich mir das zutraue wenn sie mir alles was ich dann machen müsste, zeigen würde?
Freitags war ich beim zuständigen Chef im Betrieb, der die Tankstelle damals betrieb.
Samstag und Sonntag habe ich mit ihr zusammen ihre Schicht mitgemacht.
Montag frühmorgens schwamm  ich dann allein im „kalten Wasser“.

Der Verkaufsraum war – im Gegensatz zu den heutigen Tankstellen – übersichtlich und gut einsehbar. Es gab (schriftliche) Vereinbarungen, was ich alles NICHT machen müsse und WANN ich WEN anrufen kann WENN etwas nicht klappt mit der Technik oder jemand Sprit oder was anderes klaut oder sich ein Überfall anbahne oder oder oder…

Es war eine schöne und gleichzeitig nervlich-körperlich knallharte Zeit.
Wenn ich heute daran zurückdenke, war das auch schon eine Art von Arbeitsverdichtung. Aber in sehr humanem Maße und mit unglaublich ehrlicher, freundlicher Unterstützung vom Chef und dem Werkstattmeister und auch oftmals von den (meist männlichen) Kunden.
Mädel, lass mich mal die Bierkästen hinter bringen, das ist nix für eine zartes Kindchen wie dich sondern was für nen richtigen Kerl! Ich nehm mir dann gleich mal ne Flasche raus, okay?“ 😉

 

Wenn man gezwungen wird, mehrere Aufgaben gleichzeitig abzuarbeiten, entstehen neben  Blutdruck-Erhöhung, Druck und Stress oftmals sogar eher Fehler.
Nicht jeder Mensch kann  fehlerfreies „Multi-Tasking“ und nicht jeder Mensch mag Stress.
Ich konzentriere mich gern auf das Abarbeiten nacheinander und bin dann auch schnell und nahezu fehlerfrei. Bekam von Kollegen dazu auch häufig  Anerkennung. Und ich konnte bei ZUVIEL schon immer NEIN sagen und habe das auch freundlich-ernst gesagt. Nützte nur nichts.

Dazu noch einige interessante Lese-Links:
http://www.zeit.de – karriere – beruf

https://gedankenwelt.de – von der gefahr zu viele aufgaben …

http://www.heilpraxisnet.de naturheilpraxis … multitasking macht menschen krank

 

Andreas Kawallek (Heilkundige Psychotherapie) spricht über „Burnout durch Multitasking“ Teil 1

 

https://blog.soziale-berufe.com… multitasking funktioniert nicht/

Frank Großheimann von der BKK Diakonie im Interview:
„… Und dann gibt’s noch ein paar Tipps für alle: Multitasking funktioniert nicht! Lieber eins nach dem anderen machen. Dauerstress macht krank! Lieber etwas ändern, bevor es zu spät ist.

Sozial und seelisch gesund sind wir, wenn wir uns selbst und unsere Kollegen verstehen, wenn wir uns selbst und unsere Kollegen wertschätzen, wenn wir wissen, was uns wichtig ist, und wenn unsere Arbeit einen Sinn für uns hat. …“

Danke an alle, die ebenso wenig wie ich eigene Zellteilung betreiben können und dies auch deutlich machen.
Danke an Chefs und Vorgesetze, die ihre Angestellten und Mitarbeiter nicht systematisch kaputtmachen.
Danke an die, die dies hier lesen und vielleicht einen Tipp für mich haben… oder vielleicht sogar eine Arbeitstelle ?

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