Pflegen oder Betreuen?

Was ist da eigentlich der Unterschied?
Und warum wird das auf der einen Seite gern gemeinsam gesehen, empfohlen und angeboten…
und auf der anderen Seite deutlich getrennt?
Pflegen ist mit medizinischen Kenntnissen und Anwendungen verknüpft.
Pflegen beinhaltet zum Beispiel die Körperpflege mit ALLEN Auszieh-, Positionierungs-, Wasch-, Abtrocknen-, Eincrem- und Anzieh-Handlungen.
Weiterhin die Medikation und Medikamentengabe, ob in Tabletten oder Spritzenform. Diverse Wundbehandlungen und Verbände.
Die bewohnergerechten Toilettengänge und die Entsorgung von Toiletten“ein“lagen.
Die Hygienebeobachtung und -umsetzung, Nahrungsbereitstellung und -anreichung, Verwaltung und Dokumentation aller bewohnerrelevanten Daten und Ereignisse…
Und noch VIEL MEHR.
Auch das Beobachten, Einfühlen und natürlich das VERSTEHEN.
PFLEGEN ist Hammerhart und unbedingt der größten Würdigung wert!

Betreuen ist – nach jahrelanger ehrenamtlicher wie beruflicher Erfahrung und eigener Empfindung – der Arbeitsleistung der Pflege FAST gleichzusetzen.
Das Betreuen ist körperlich zwar oftmals weniger anstrengend, aber man ist als „einfache Betreuungskraft“ sozusagen für ALLES was dem Bewohner/der Bewohnerin auf der Seele, dem Herzen oder dem Körperempfinden liegt, da.

Ich habe mich auch als „Mittler“ zwischen Bewohner (hauptsächlich demenziell Erkrankter) und Pflegekraft gesehen.
Die Betreuungs-Definition nach Paragraph und Arbeitsdefinition:
„Aufgabe der Betreuungskräfte ist es u. a., in enger Kooperation mit den Pflegekräften bei alltäglichen Aktivitäten wie Spaziergängen, Gesellschaftsspielen, Lesen, Basteln usw. zu begleiten und zu unterstützen.“
Quelle: link zu gkv-spitzenverband – pflegeversicherung — Betreuungskräfte

Unter anderem gehörte dazu dann, die geplanten TeilnehmerInnen der Gruppenstunden, vormittags und nachmittags, vorher zu besuchen und sie nach Ihrem Befinden zu fragen und ob sie „nachher“ wieder mit zur … Gymnastik… Musik… zum Snoezelen… oder Malen… oder… kommen möchten.
Die Vormittags-WB-Gruppenrunden

Nun war es so, dass jede von uns drei „festen“ Betreuungskräften die Gruppenstunde meistens auf „ihrem“ Wohnbereich durchführte.
Aber eben auch BewohnerInnen von anderen WB´s dabei sein wollten.
Somit wurde erst die „Einser-Gruppe“ zusammengeholt, dabei halfen, wenn möglich, Ehrenamtliche oder Praktikanten mit.
Dann flitzten wir los auf unsere WB und luden unsere BewohnerInnen zur Runde ein, holten sie ab oder versuchten, ihre vielleicht einsilbige, lethargische Stimmung zu „überwinden“.
Dies gehört auch dazu…

Guten Morgen, Frau D., wie geht es Ihnen heute?“
Ach junge Frau, ich hab so schlecht geschlafen. Ich bin noch so müde.
Dann könnte ich Ihnen ein wenig Aufmunterung durch ein bisschen Gymnastik empfehlen. Wir machen in zehn Minuten im Gruppenraum Musik und Sport. Wie wärs?
Meinst du wirklich? Ich alte Schachtel. Aber ich bin doch noch gar nicht richtig ausgehfein!
Sie können genauso, wie sie gerade angezogen sind, gut mitmachen. Es sind heute Luftballons und Bälle im Angebot.
Oh, das klingt ja nett. Na gut, ich muss aber nochmal zur Toilette. Bringst du mich hin?

Somit habe ich eine Pflegekraft gerufen, weil ich ja erstens Toilettengänge nur im absoluten Notfall begleiten durfte und zweitens etwa zehn oder zwölf andere BewohnerInnen noch auf mich und meine Abholung warteten.
In der Hoffnung, dass diese Pflegekraft nach dem Toilettengang die Zeit hatte und dran dachte, mir die Frau D. dann „hinter“ zu bringen.
Manchmal musste ich dann die Gruppenstunde unterbrechen und zusehen, dass Frau D. dann ohne „Stolpern“ und andere Schwierigkeiten an IHREN Platz kam und sich in die schon eingespielte Runde einfügen konnte…

Aus verschiedenen Gründen, unter anderem weil anderes Personal nicht immer genau DANN „greifbar“ war, wenn es grad „pressierte“,
war ich zu 90 Prozent alleine für
• den Um“bau“ des kleinen, von mir für die Gruppenstunde zu nutzenden Speiseraumes,
• das Be“fragen“ und Abholen der zehn bis fünfzehn geplanten BewohnerInnen,
• die richtige, sichere und genehme Platzierung aller Teilnehmer,
• die Gruppenrunden-Durchführung (Moderation 😉 ) nach gesundheitlichen, sozialen, gruppenrelevanten und gesellschaftlichen Vorgaben und abgesprochenen Themen,
• die Zwischenmahlzeit mit Obststücken und Saftschorle/Wasser,
• das Zurückbringen aller BewohnerInnen in ihre Räume und WB
sowie
• die Wiederzurück-Umbaumaßnahmen des Speiseraumes für die baldige Mittagsmahlzeit…
verantwortlich.
Dies ist eine kurze Zusammenfassung 😉


Zeitvorgaben sind fies

Zeitvorgaben sind in der Pflege sowie in der Betreuung enorm schwierig einzuhalten. Zumindest wenn man „am Bewohner“ ist und bleiben möchte.
Es war für mich stets eine freudige Herausforderung, mich mit meiner Persönlichkeit, meinen Charaktereigenschaften und Ideen sowie mit Empathie und dem wirklich nötigen möglichst GUTEN Allgemeinwissen in den Alltag im „Altenpflegeheim“ einzubringen.
Trotz allem Zeitdruck, damit einhergehender Hektik und nahezu ständigem Personalmangel ruhig, fröhlich, witzig und sympathisch zu bleiben, das ist echt nicht leicht.
Im guten Zusammenspiel aller Mitarbeiter kann das aber gut klappen 😉

 

„Die spielen doch nur …“

Nur??? Nein, das gehörte hin und wieder mal zur Einzel- oder „Minigruppen“-Betreuung …
aber darüber werde ich dann, bei „Bedarf 😉 , mal einen anderen Beitrag zu schreiben 😉

Heute war mir wichtig, eine der ganz vielen Arbeitsaufgaben einer „einfachen“ Betreuungskraft im tatsächlichen Alltag mit Demenzerkrankten darzustellen.
Wenn es interessant genug ist, mache ich dazu gern weitere Beiträge aus meinem (früheren) Arbeitsalltagswissen ;).

Freu mich auf deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s