Der alte Großvater und sein Enkel

Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte,

schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußte sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch, und die Augen wurden ihm naß.

Einmal auch konnten seine zitterigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus mußte er nun essen.

Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. »Was machst du da?« fragte der Vater. »Ich mache ein Tröglein,« antwortete das Kind, »daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.«

Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten alsofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.


Ein Märchen der Brüder Grimm
welches mir mein Männe vor einigen Tagen im Netz zeigte. Es beschreibt eine Tragik des Alters, welche uns alle einmal ereilen kann. Tatsächlich ereilen… denn nicht selten kommt dieses Altern schneller als einem selbst lieb ist.

Das Verständnis des Kindes sollte unser aller Verständnis sein.

Ich weiß nicht nur aus beruflicher Erfahrung, wie sehr es den meisten älteren Herrschaften unangenehm ist, wenn sie etweas „verschütten“ oder kleckern oder eben nicht mehr so richtig sauber essen können…
Dann kann es helfen, diskret eine Serviette oder ein sogenanntes Küchenpapiertuch, welches man durchaus schon mal generell zum Essen platzieren kann, zu nehmen und das „Malheur“ ohne viele Worte… mit Lächeln und ein paar netten, humorigen Worten… zu beheben.

„Ach Mädel. da hab ich wieder gekleggert!“
„Ach Herr S., das ist doch nicht schlimm! Da wollte die Suppe eben mal gucken, ob der Tisch noch sauber ist… und nun isser es nicht mehr.“
„Da haste recht. Nu isser nich mehr sauber. Sowas aber auch.“
„Schauen Sie, mit Z… wisch und weg… ist im Nu weg der Fleck! Simsalabim (mit leichter Wischbewegung) und … alles sauber!“

Ein kleines Beispiel bei einer Essensanreichung…

Diese leider gern genutzten „Lätzchen“ musste ich oftmals aus Mangel an Zeit und Servietten/Tüchern einigen BeweohnerInnen umbinden. Das war mir IMMER sehr unangenehm. Es wirkte oft irgendwie entwürdigend, erst recht wenn Besucher da waren. Mit ein wenig Humor und kleinen Späßen konnte ich diesen Mahlzeiten trotz allem meistens ein wenig  „Frische“ verleihen.

Und ganz wichtig – ich habe niemals „abgewischt“! Ich habe immer abgetupft.
Mit einem kleinen Zählreim, den ich mir ausgedacht hatte.

Eins zwei drei, Malerei.
Vier, fünf sechs, hier ist ein Klecks.
Sieben, acht, das wäre doch gelacht,
neun und zehn, weg ist er, nix mehr gesehn.

Meistens sah ich dann ein leises Lächeln, bei den BewohnerInnen oder auch beim Personal… und ganz besonders bei den gelegentlichen Besuchern während der Mahlzeiten;)
Dieser Reim ist natürlich auch für Kinder und Junggebliebene lustig 😉

Somit – weiter guten Appetit und ein schönes Wochenende!

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