Heute ist WIND

Heute ist unter anderem der „behaupte-dich-gegen-Mobbing-Tag“.
Wer kennt Mobbing?
Es gibt ja viele die zu diesem Thema „nu hab dich mal nicht so, das Leben ist nun mal kein Ponyhof“ sagen.
Schon mal Mobbing erlebt?

Du sortierst eine halbe Stunde vor offiziellem Feierabend nochmal die restlichen  Unterlagen, Monteure brachten den Tag über Skizzen und kleine oder mittelgroße Zettelchen mit ein paar Strichen als „Kabel-Lage“ an. Du hast alles in die richtigen großen Kabel- und Stromlauf-Pläne eingezeichnet, absegnen lassen, ordnungsgemäß einsortiert und von einigem Sicherheitskopien gemacht. Du hast dir das nahezu alles allein erarbeitet!
Du machst das schon jahrelang so und „deine Monteure“ und du ihr kommt alle klar, du bist und warst immer aussagefähig.
Plötzlich kommt neuer Wind auf. Und alles ist von einem Tag auf den anderen MÜLL. DU bist MÜLL. Das sagt dir der WIND ins Gesicht. Natürlich immer – vermeintlich – ohne (Zuhör-) Zeugen. Grinsend. Du wirst dabei ohne jeglichen „Grund“ als dumme blöde Kuh bezeichnet. Grinsend geht der WIND raus. Du stehst da und weißt wieder mal grad nicht was da eben ablief, was dir grad widerfahren ist. Du roboterst weiter, Feierabend, alles ist ordentlich verstaut und abgeheftet. Du gehst aus deinem Büro, schließt die Tür, es ist keiner mehr da. Wie so oft bist du die letzte weil es immer noch kurz vor Feierabend neue Skizzen gab. Morgens bist du die erste weil du alles bereitlegen möchtest bevor der WIND aufbraust. Dich sammeln. Seelisch und körperlich. Deine Bauchschmerzen sind mittlerweile chronisch.

Du kommst aus der Firma. Ein paar Meter um die Ecke steht ein Monteur, ein Kollege. Er hat offensichtlich auf dich gewartet. Lächelt dich an und sagt: „Was war das denn vorhin? Ich wollte dir ne Skizze bringen, aber der … (WIND) hat dich ja voll angebrüllt! Macht der das oft so?“ Du holst tief Atem und steckst dir mit zitternden Händen eine Zigarette an. „Ja. Immer häufiger. Ich werde wieder nicht schlafen können weil er es schafft mir ein schlechtes Arbeitsgewissen einzureden. Was hab ich nur wieder verkehrt gemacht…
Kollege: „Ich denke, nix verkehrt gemacht. Es lief doch immer gut. Alle kamen miteinander klar. Wir haben uns anrufen können wenn mal ne schnelle Lösung ran musste. Wir haben uns ausgetauscht. Alle Monteure, auch die externen, wissen was wir an dir haben. Aber wir haben hier ja keinen Betriebsrat. Es ist auch das erste Mal, dass ich sowas hier erlebe.“ Kurze Pause. Du atmest tief ein. Es tut gut.
Hey, wenn was ist, ruf mich an. Ich weiß nicht ob und wie ich dir helfen kann, aber ich habs nun ja mitgehört. Aber wir können ja nix machen. Wir haben uns schon gefragt was seit einiger Zeit mit dir los ist. Ich habs vorhin den anderen erzählt, die konnten das gar nicht fassen.“
Verabredung für morgen nach der Arbeit, gemeinsam mit ein paar „Jungs“ rüber ins Café ein Käffchen zu trinken.
Zuhause angekommen bist du weiter eine „wie ferngesteuerte Marionette“.
Die Zigarettenschachtel, die in guten Zeiten für ne Woche ausgereicht hat, ist nun nach zwei, drei Tagen alle.
Dein Schlaf ist kurz und viele Aufwachpausen machen dich fertig. Schon seit Wochen.

Der nächste Morgen. Du bist wieder mal sehr früh dran. Kommst ins Büro und kriegst nen Schreck. Alles wild durcheinander auf deinem Schreibtisch. Die zwei wichtigen letzten Skizzen, die oben in der Ablage lagen, sind weg. Du räumst so gut es geht auf. Plötzlich hinter dir… WIND. Er schreit dich an, wie es hier aussieht. Das wird er melden, diese Unfähigkeit ist keinen Tag mehr zu dulden. Hätte es damals (vor dem Jahr 2000) schon Handys und/oder Digicams gegeben, hättest du schon längst jeden Abend und von allem Beweisfotos machen können.
Du bist kurz vorm Einknicken. Doch die offizielle Arbeitszeit beginnt und alle anderen Kollegen kommen nach und nach rein. Du wirst ausgegrenzt, der WIND macht die Tür „von aussen“ zu. Du suchst die Skizzen, während du das nicht mehr ganz so große Durcheinander auf deinen Tischen aufräumst und sortierst.
Der Meister kommt rein, schaut sich demonstrativ um, grinst und geht wieder raus.

Nach einer Weile hört das Rumoren da draußen auf. Du wagst dich aus deinem Büro raus, guckst wer noch da ist. Es ist nur die Telefondame, mit hochrotem Gesicht. Sie schaut dich schon seit Tagen kaum noch direkt an. Zurück-Grüßen ist inzwischen auch out.
Du beginnst, die wieder neu sortierten Sachen in die entsprechenden Ordner zu heften. Nacheinander. So wie immer und bis vor kurzem von allen für gut befunden.
Plötzlich findest du die zwei vermissten Slizzen in einem Ordner, in den du sie niemals hineingetan hättest. Weil sie ganz woanders hingehören. Dein photografisches Gedächtnis ist eben doch oftmals eine Hilfe. Du machst dir Kopien und heftest die Originale ordentlich ab. Zur Mittagspause bringst du die Kopien, wie sonst auch, zu den Monteuren. Die Jungs nehmen dich in ihre Mitte, einer heftet die Kopien ab, ein anderer gibt dir einen Kaffeepott. Die Verabredung wird besprochen. Wer kann und wer nicht.

bearb by annalenakt

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annalenakt

 

 

 

 

Es kam leider niemals zu diesem gemeinsamen Feierabend-Käffchen. Der WIND hatte zum STURM geblasen. Ein externer Kollege hatte es zufällig mitgehört, wie meine Kündigung geschrieben wurde. Rief mich an und warnte mich vor. Ich brach zusammen. Wurde von meiner damaligen Hausärztin unter Beruhigungsmedikamente gesetzt und bis zur möglichen Ausreizung krankgeschrieben. Psychologische Hilfe nahm ich später auch in Anspruch.

Alles wurde kurz danach umgeswitcht. Aus drei Meisterbereichen wurde einer gemacht. Einige der „Jungs“ winken mir heute noch zu, wenn wir uns zufällig irgendwo mal sehen.

Danke WIND und STURM. Eine Erfahrung, um auch bei diesem Thema mitreden zu können.
Was einen nicht umhaut, macht einen … naja, manchmal etwas… stärker.

link zu kleiner-kalender.de

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