Geringverdiener und die zukünftige Rente

Diese Diskussion macht wütend und zeigt die merkwürdige Auffassung von „Gerechtigkeit“ der Politik ganz deutlich.

Eher zufällig habe ich einige der Aussagen der letzten Woche zu diesem Thema im Fernsehen gesehen. Einige Minister oder „Sprecher“ äußerten ihre Ansichten und Kritik an anderen Ansichten.
Politisch nicht farb- oder richtungsorientiert, bin ich immer wieder erschüttert, wie sehr diese Leute abgehoben,
wie wenig sie noch auf demselben Boden mit
denjenigen, die ihnen ihre wundersamen Einkommensschübe verschaffen,
stehen.

Ich werde morgen eine Woche Probearbeiten beginnen. Mit einem guten Gefühl.
Ich hoffe daher, bald aus dem „Amtsschlamassel“ raus zu sein und mir und meinem Mann mit meinem Arbeitseinkommen wieder etwas „Luft“ verschaffen zu können.

Wir jammern nicht. Unsere „Ansprüche“ ans (gemeinsame) Leben sind ans Einkommen angepasst und damit vergleichsweise sozusagen ausgeglichen. Wir wünschen uns ein regelmäßiges Einkommen, mit dem wir auskommen. Wir wollen arbeiten, um zu leben, nicht andersrum.

Wir würden gern mal wieder mit unserem (gemeinsamen) Einkommen günstig für ein paar Tage in einer schönen Erholungsgegend mit möglichst gutem, sonnigen Wetter, viel Landschaft und wenig Trubel urlauben.
Ansonsten unsere Miete und diese sogenannten „Fixkosten“ bezahlen und
auch mal neben den Ausgaben für unsre geliebten Haustiere und unsere Ernährung/Hygiene usw. …
ins Kino oder so gehen können.

Es ist leider so, dass viele Menschen nun mal im „Niedriglohnsektor“ oder in „Teilzeit“ oder in „Leiharbeit“… tätig sind. Sind sie das immer alle freiwillig?
In dieser Nachrichtensendung kam von einem Herrn folgender
(hier eventuell nicht ganz wortgetreu aufgrund meiner  Schockstarrenschwierigkeit) Ausspruch:
„Wenn jemand freiwillig weniger arbeitet und daher auch weniger Rentenanspruch erwirbt, der kann doch nicht erwarten, dass andere dann dafür seinen Ausgleich stellen.“
Wie gesagt, es kann auch eine andere Wortwahl gewesen sein, aber so in etwa war die Aussage.
Die mich echt wütend und fassungslos gemacht hat.

Es ging darum dass „Geringverdiener“ eine Art Ausgleich bekommen sollen,
wenn sie trotz ihrer langjährigen Einzahlerbereitschaft in die Rentenkasse
eben unter oder gerade um die  „Grundsicherung“ herum leben (müssen).
HALLOOO?

Ja, wer FREIWILLIG wenig arbeitet…  Wer das wirklich freiwillig macht, der braucht sicher nicht wirklich einen  finanziellen Ausgleich.
Wer freiwillig wenig arbeitet, der sieht die Tätigkeit vielleicht eher wie ein Hobby…

Der Großteil der sogenannten „Geringverdiener“ ist dies aber nicht freiwillig!!!

Diejenigen, die sich all dieses Gesülze um „Politik“, „Rente“, „Demokratie“ ausdenken und dies auch verkünden, haben  ihren „Job“ auf meist viele Jahre sicher.
Sie bekommen auch nach ihren „aktiven“ politischen Jahren sehr sehr viel Einkommen.
Sie haben sich um körperliche Arbeit und deren knochenbelastenden- oder krankmachenden Auswirkungen niemals einen „Kopp“ machen müssen.
Sie brauchten ganz bestimmt schon ewig keine Spritrechnung mehr selbst aus eigener Tasche bezahlen.
Sie haben ganz bestimmt schon sehr lange nicht mehr selbst ihren Haushalt – nach zehn oder zwölf Stunden Arbeit plus Fahrzeit – „nebenbei“ machen müssen.
Sie haben sich ganz sicher noch nie wirklich ernsthaft  extentiell bedroht gefühlt,
schon viele Jahre nicht mehr selbst mit dem Einkaufkorb und mit eigenem Portemonaie im „normalen“ Supermarkt oder Discounter eingekauft.
Sie haben sich bestimmt schon lange nicht mehr mit den Strom-, Miet- oder grundlegenden Lebenshaltungskosten befasst.

Sie haben sich so sehr vom normalen Alltags-Bürger, normalem einfachen Steuerzahler entfernt, dass diejenigen sich doch verhöhnt und verladen vorkommen müssen…

Dann noch solche Sprüche. Diese Arroganz von Leuten, die selbst NIEMALS in den Situationen waren, die sie belächeln und verhöhnen…
Die selbst nichts (mehr) in DEN Topf einwerfen, aus dem sie ihre hohen Bezüge fordern und bekommen.
Die mit ihren „Beschlüssen“, mit Hinhaltetaktik-Diskussionen oder Antidemokratie viele Existenzen bedrohen oder sogar vernichten… die grinsen dann noch.

Es gibt Menschen, die morgens um fünf Uhr losfahren um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Das eigene Auto schon ein paar Jahre alt, noch mit TÜV, hoffentlich  noch lange betriebs- und fahrtüchtig. Jeden Morgen mit der Hoffnung, gut anzukommen, den Tag gut zu schaffen, ohne Streß und mit einer Toilette in Hingehnähe. Mit der Hoffnung, nicht die neun Arbeitsstunden im Regen und Sturm draussen sein zu müssen, um ALLEINE eine weitere, mal eben vom Chef noch „schnell“ angenommene Baustelle abzuarbeiten. Ohne Dixiklo oder Unterstellmöglichkeit. Ohne Handyempfang.  Arbeits-Schutz-Rechtlich sehr fragwürdig.
Täglichen Repressalien, täglichen Überraschungen die einem eigentlich die Tränen in die Augen treiben. Die einen nur noch schlucken lassen.
Die nach insgesamt zehn oder elf Stunden Arbeitstag inklusive Fahrzeit dann zu Hause noch ihre Post und ihren Haushalt bewältigen. Die vielleicht Kinder haben und deren Bedürfnisse, Streicheleinheiten und Schularbeiten erfüllen möchten.
Die wichtige Arzt- oder Behandlungstermine schon nur noch auf die Abendstunden verlegen, um ja nicht die Arbeitszeiten dafür eingrenzen zu  müssen.
Die dann mit fünf oder sechs Stunden Schlaf auskommen müssen.

Man klagt nicht, man freut sich über das monatliche Einkommen auf dem Konto und das Auskommen damit.

Betriebliche Altersvorsorge??? Fremdwort!  Die kleine Bau-Firma zB. mit einem Chef und ein bis zwei Angestellten ist im täglichen Überlebens-Konkurrenzkampf.
Eigene private Vorsorge???? Wovon denn?
Jahressteuerausgleich? Heiß ersehnt um wichtige Reparaturen am Auto machen (lassen) zu können…
Dreizehntes Monatsgehalt??? Hä?
Weihnachtsgeld??? LACH.
Urlaubsgeld??? Seufz.
Bezahlung und Urlaub nach Tarif??? Grins.

Aber ganz ehrlich – wenn man als „Einzahler“ so verhöhnt wird, dann ist es  meiner Meinung nach kein Wunder, dass man auf  die Politik immer  saurer wird.
Die meist schwer schuftende „Mittelschicht“ oder „Unterschicht“ erschafft deren hohes, stetig auf seltsame Weise wachsende Einkommen… und wird dafür so verpöhnt…

Ein Gedanke zu “Geringverdiener und die zukünftige Rente

  1. Da hast du dir ganz viel Mühe gemacht mit deinem Beitrag, und sprichst mir aus der Seele. Da ich selber betroffen bin möchte ich noch die Frührenter/innen hinzufügen, die aus Krankheit und unverschuldet nicht mehr arbeiten können oder nur Teilzeit. Wenn ich nicht noch für ein paar Stunden putzen gehen würde, müsste ich von 160€ im Monat leben. Aber ich klage nicht, ich habe mich arrangiert und entsprechend eingeschränkt. Ich will ja eh meistens nicht vor die Tür 😉

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