Spaß beim Beobachten in Wartebereichen – Teil 1

Wenn man irgendwo warten muss, auf was auch immer, dann ist man doch eigentlich froh, wenn da noch andere Wesen sind.
Sofern man keine spannende Lektüre, ein Daddelhandyspiel oder Mucke auf den Ohren dabei hat.
Bäume und andere Pflanzen lassen sich gut beobachten und haben eine beruhigende, meditative Wirkung… zumindest auf mich.
Tiere – da guck ich nur glücklich (zu)
Menschen… egal welcher Abstammung und/oder Altersgruppe… haben unterschiedliche Wirkungen.
Manchmal möchte man brüllen und dazwischen gehen, manchmal ein Tempotaschentuch rüberreichen und manchmal… mitspielen 😀
Ich musste aber in den vergangenen drei Tagen auch anders warten.

Der verknarkste Knöchel… heilte gut! Besser als ich es erhofft hatte.
Dafür hatte aber die „Aufprall-Seite“ doch mehr gelitten… als ich dachte.

Also war ich einige Tage im Klinikum. Jetzt wieder zu Hause.
Es ist zwar nicht alles wieder gut, aber wesentlich besser. Das linke Bein hat alle möglichen Blau-Schattierungen rings um die um drei Kilo dicker gewordene Wade.
Sie sieht immer noch fürchterlich buntblau aus. Mein Angebot, sie für das kommende Gruselfest als Muster zur Verfügung zu stellen, sorgte bei einigen für leichte Verblassung der Gesichtsfarbe.

Also wenn man selbst aua hat, muss man sich doch seinen Humor bewahren!

Jedenfalls wurde ich also gegen neun Uhr (ich hatte mir morgens wohlweislich die Armbanduhr angeschnallt) in den ersten „Wartebereich“ geSCHOBEN.
Dort abgestellt mir dem freundlichen Satz „Sie werden dann aufgerufen und abgeholt“, begann ich meine Beobachtungsgabe weiter zu schulen.
Da ich unfreundlicherweise so abgestellt wurde, dass ich das eigentliche Geschehen HINTER mir hatte, konnte ich nur die anderen VOR mir sitzenden Mitwartenden anschauen.
Unglaublich, was man da so alles mitbekommt.

Warten die erste.
Man kann auch ohne selbst „fern-zu-sehen“ einiges vom Gezeigten und von anderen Gesehenen erfahren.

„GEERDAA, haste mitjekricht, die hat jesacht dass de Budder doch inn Gühlschrang muss!“
Gerda (ich nehme an, dass sie so eigentlich heißt), schrie auf. Ich schrak auf, wär fast aus meinem mir zugestandenen Rolli gefallen.
Womöglich hatte sie die Butter schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Kühlschrank. Oder sie hatte keine Butter mehr???
Die beiden wirkten dann aber insgesamt sehr zufrieden mit sich, dem Programm und ihrem Kühlschrank, denn jeder schnuffelte wieder ein, bis er bei einem Ausruf dran kam und sie hinterher schlurfte.

Mittlerweile war die Mittagszeit heran und die meisten Klinik-Patienten sicher schon beim Futtern.
Das Personal offensichtlich auch, dachte ich.
Ich wurde nach einer Stunde vierzig dann auch aufgerufen.
Doch – ein Wunder – ich wurde verschoben. „Es kommt gleich ein Arzt.“
GLEICH… ist ja wie „Bald“ oder „Demnächst“ oder….

Warten die zweite.
„SABINCHEN NEIN!“
Ich fiel nicht mehr, denn ich hatte mich bequemer hingesetzt, soweit es mein aua zuließ. Hingucken konnte ich aufgrund meiner Parkposition nicht, ich hörte halt zu. Notgedrungen!
„MAAAMMMIII  ICH WILL ABER DAS BUCH!“
„NEEIN! WENN WIR AUFGERUFEN WERDEN MUSS ICH AUFHÖREN VORZULESEN!“
„ABER TROOOOTZDEEEM WILL ICH DAS BUCH!“
„DAS IST EIN AUSMALBUCH!“
„DANN WILLL ICH BUNTSTIFTE HABEN UND AUSMALEN!“
„ICH HABE ABER KEINE BUNTSTIFTE DABEI. UND JETZT SEI STILL!“
WUMM
Was ist „still“??? Oder was verstehen andere unter „still“?
Dieses offensichtlich kindliche Wesen jedenfalls sprach/brüllte nicht mehr, es jaulte nun. In ähnlicher Intensität.

Die Wartezeit dauerte etwa 20 Minuten.
Die Diagnose war erfreulich.
Aber um sicherzugehen… noch zum Röntgen.
Warten die dritte.
Es kam ein freundliches Wesen und schob mich zum Wartebereichs des Röntgen.
Warten die vierte.
Ging schneller, da ich scheinbar irgendwie betröpfelt oder nicht so gut oder hungrig oder keine Ahnung… aussah.
Ich kam nach zehn Minuten dran, ohne böse Blicke der schon vor mit Wartenden.
(Man gut dass man sich manchmal selbst nicht betrachten kann.)
Diagnose: „Erhalten Sie dann vom Arzt. Es bringt Sie gleich jemand dorthin!“
Warten die fünfte. 25 Minuten.
In den nächsten Wartebereich. „Ich sag den Ärzten Bescheid, dann holt Sie jemand ab.“
Warten die sechste.
Ich hörte (auch ohne KIND) zufällig meinen Namen, hörte aufmerksamer (warum hatte ich gerade jetzt das KIND nicht im OHR???!!) zu und erfuhr, dass ich offensichtlich falsch geparkt wurde.
Weitere 20 Minuten später – Warten die siebte – wurde ich etwa 50 Meter weiter geschoben, mit der entschuldigenden Begründung, ich sei DORT eben nicht richtig gewesen. Aber hier würde gleich jemand kommen und der Arzt dann mit mir das Röntgenbild besprechen.
Warten die achte.
Das Röntgenbild besprechen??? Wie ne Warze oder so?
Ich seh da immer nix außer verschiedene Schattierungen schwarz-grau-weiß.
Nach – ich schaute nicht mehr auf die Uhr, mein Magen tat dies für mich – etwa fünfzehn Minuten wurde ich IN das ARZTZIMMER geschoben.
Keine Fraktur.
Aber schlimm, wie das Bein aussieht. Wie ist das denn passiert?
Hätte ich das ganze Ausrutsch-Abknick-Sturz-Geschehen doch schon vorher mal auf Band gesprochen…
Somit „soweit alles gut. Sie werden gleich abgeholt und auf Station gebracht. Alles Gute!“
Warten die neunte.

ENTSCHULDIGEN SIE BITTE, KÖNNEN SIE MIR SAGEN WO HIER DIE DAMENTOILETTE IST?
Upps, ich schrak hoch. Hä? Was? Hab ich gepennt?
Mein Gesichtsausdruck muss utopisch gewesen sein, denn die fragende Dame, höheren Alters wich entsetzt vor mir zurück.
Doch ich bin geschult. Betreuungskraft war ich gern, und bin ich manchmal noch.
„Schauen Sie mal bitte hier, links, die dritte Tür.“
Klar, ich bin geschult und sowas wc_weibl    sehe ich sofort.
Weil ich unbewusst danach such(t)e.
Mittels Handzeichen in die entsprechende Richtung unterstrich ich meine Antwort.
Sie wich noch weiter zurück. Blickte nach rechts. Und stöckelte auf Flachballerinas nach rechts. Schaute noch einmal zu mir zurück und setzte sich…

Teil 2 folgt in den nächsten Tagen. Ich muss erstmal warten, denn meine Tastatur will ne Pause.

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