Ein besonderes Experiment

Wann war das? Gestern? Was war denn gestern?
Ein Fernsehformat, was ich aus verschiedenen Blickwinkeln seit einiger Zeit verfolge, hat mich auch gestern wieder in einen Bann gezogen.
Das „Das Jenke-Experiment“ gestern war ein Volltreffer.
link zu rtl.de – das Jenke-Experiment

Mal abgesehen von einigen „Selbstversuchen“, um zu verstehen was nahezu unverständlich ist, fand ich die Reportage insgesamt sehr interessant, einfühlsam und verständlich. Zumindest für mich als ehemalige Betreuungskraft mit sensiblen „Antennen“.

Sie sind nicht im herkömmlichen Sinne krank.
Sie sind eher verwirrt, zum Teil orientierungslos, zum Teil voller Verwunderung über all das um sie herum.
Es ist eine Überschrift – DEMENZ.
Es gibt so viele unterschiedliche Stadien, Erkrankungsweisen und Einschränkungen.
Es ist letztendlich aber immer ein ganz tiefer, furchtbarer Einschnitt in das (gemeinsame) Leben.

Der oder die Angehörigen, Kinder, Enkel, Nichten und Neffen, liebe Freunde… die Umgebung sollte durch die vielen Berichte in all den Medien, ob Zeitung, Internet oder Bücher doch sensibilisiert sein.
Verstehen, dass die Erkrankten vieles nicht verstehen können.
Dass sie – wie bei den meisten Krankheiten – nichts „dafür“ können.

Es gibt keine(n) Schuldigen!
Es gibt einfach kaum eine „richtige“ Erklärung.
Es gibt kein „Aufhalten“ oder eine „Heilung“.
Es gibt nur Medikamente, welche die Symptome etwas beeinflussen.

Es gibt – immer noch zu wenige, die sich besonnen und sachlich, mit Empathie damit befassen.
Wie es den Erkrankten geht, ist immer wieder die eine Frage.
Wenn die Demenz in einem „Stadium“ die Alltagsgewohnheiten nicht mehr durcheinander wirbelt, einfühlsame Betreuer und Pflegende damit umzugehen wissen und letztendlich die Gesundheitspolitik und die Gesellschaft nicht immer bei den Betroffenen sparen will,
dann kann es einem Demenzbewohner /-patienten tatsächlich GUT gehen.

Wie es den Angehörigen geht, ist eine der anderen, so wichtigen Fragen.
Das Miterleben, wie zum Beispiel die Eltern, nach und nach „komisch“ werden, unfreundlich, patzig, verunsichert, wenn das Wesen, der Charakter sich mitverändert… Wie oft hatte ich Kinder, Schwester, Bruder oder Enkel vor mir stehen oder sitzen, die mit der Veränderung nicht klarkamen.

Es ist schwierig zu erklären, aber die Seiten des Lebensbuches sind nicht weg, sie sind nur etwas verblasst.
Sie können noch umgeblättert werden, sie gehören zu dem Menschen, genau wie die noch nicht geschriebenen Seiten des Buches.

Im Bericht wurde auch von einer Demenz-WG erzählt, ein für mich höchst bemerkenswertes Umgehen und Betreuen von Erkrankten. Würdig, zusammen und gemeinsam.
link zu anw-wohnen.de/ueber-demenz.html – Demenz-WG

Mit gut geschultem Personal und einer fröhlichen, gewollt unbeschwerten Wohnumgebung.
Man muss die „Krankheit“ nicht optisch/einrichtungsmäßig in den Vordergrund stellen, man sollte aber als Betreuer/Pfleger mit vielem rechnen und diese sekündlich möglichen Veränderungen einkalkulieren. Dafür ist viel Sensibilität nötig, um das Gemeinsame so fröhlich und zuverlässig wie möglich zu halten.
Wenn es nicht an vielen Drum und Drans scheitert, wie im Beitrag geschildert.

Demenz ist eine Krankheit, die JEDER bekommen kann. Die JEDEN betreffen kann.
Mit der sich jeder befassen sollte, in eigenem Sinne und im Sinne der Angehörigen, derjenigen, die man liebt und die einen lieben.

Demenz verändert den Menschen, das Leben, den Alltag, das Bewusstsein.
Demenz sollte auch somit von der Gesellschaft als gegeben und unterstützenswert angesehen werden.

Und nicht mit Zahlen, Rechnungen, Auflistungen, Berichten, Dokumentationen, Diskussionen zerredet werden.

Es ist wie so oft immer wieder meine Devise:

Überleg dir mal, wie du selbst betreut und gepflegt werden möchtest. Das sollte das Maß sein, was du selbst auch anderen zugestehen solltest…

Freu mich auf deinen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s