Hut ab vor dem Alter – eine kleine Geschichte …

… zum vergangenen Wochenende
In der Stadt, in der ich seit gut sieben Jahren lebe, wurde auch in diesem Jahr ein so genanntes „Altstadtfest“ gefeiert. In diesem Jahr war allerdings einiges anders…
Es wurde Eintritt – für ein Straßen-Stadt-Fest – erhoben. Grundsätzlich ist das eine Möglichkeit der Organisatoren, so ein Fest finanziell mitzutragen. Allerdings… sollte soetwas auch gut durchdacht sein.
Seitdem wir dort als Anwohner residieren, gab es keine Zäune, sondern halt Verkehrseinschränkungen rund um die „Feststraße“, was ja logisch ist, wenn dort buden, Karussells und diverse Händler ihre Angebote feilhalten und zum Durch-„Bummeln“ einladen.

Doch in diesem Jahr war es eben noch um Einiges verschärfter…

Diese tatsächlich von mir erlebte „Geschichte“ habe ich heute morgen in einem sozialen Netzwerk in einer regionalen Gruppe gepostet und sogar schnell etliche Reaktionen darauf erhalten:

Der Freitag nachmittag gestaltete sich schon interessant.
Viele mittlere und größere Fahrzeuge säumten unsere Straße und die Gehwege.
Es war teilweise etwas beengt, aber mit eigenem Baucheinziehen klappte es noch.

Eine ältere Nachbarin von „schräg gegenüber“, die mittlerweile leider nicht mehr gut zu Fuß und auf ihren Rollator angewiesen ist,
kam aus dem Hauseingang und ging in Richtung Altstadt.
Sie erzählt ja immer etwas vor sich hin, daher erfuhren wir, dass sie zum Bäcker wolle.
Der Weg am Sanitätshaus S. vorbei dorthin dauert schon ein bisschen länger für sie.
Auf das gelegentliche Erlebnis, trotz Treppenhaus-Schwierigkeiten und späterem Kopfsteinpflaster noch ein wenig „bummeln“ zu gehen,
lässt sie sich aber – HUT AB! – immer mal noch ein.

Wir schauten uns ein bisschen um, gingen wieder zurück und waren einige Minuten abgelenkt.
Eine weitere Nachbarin kam ziemlich aufgelöst zu uns und sagte, dass die Straße nun mit Zäunen abgesperrt sei, „vollkommen zugemacht haben die!“
Wie jetzt… wir gingen wieder vor und sahen:
Gitterzäune. Von der Sanitätshaus S.-Hausmauer bis zur Bankfilialen-Hausmauer.
Die durch Ketten miteinander verbunden waren und auch an den Hausmauern festgemacht waren.
Ohjeh… Grübel.
Die Nachbarin, die uns das erzählt hat, meinte, überall an den „Zugangsstraßen“ seien jetzt diese Zäune,
nur da wo die Kassenhäuschen sind, käme man noch rein oder durch.
WUMM.

Plötzlich kam die ältere Dame mit ihrem Rollator um die Sanitätshaus S.-Ecke geschlurft und … stand völlig überrascht vor diesem Zaun.
Sie wirkte völlig verunsichert und – vielleicht dachte sie, sie würde „falsch“ sehen – stieß mit dem Rollator einige Male leicht gegen den Zaun.
Wir waren ja nun auf der „anderen Seite“ dieses Zauns, mussten miterleben, wie einige der aufbauenden Herren, einige hatten auch einen gewissen stadtbekannten Schriftzug auf den Shirts, die ältere Dame ignorierten, auch ihre Bitte, diesen Zaun zu öffnen, ignorierten…

Sie war wohl gezwungen, den für sie unendlich langen Weg der „Umleitung Gröp..“ zu gehen um wieder nach Hause zu kommen.
Mit vielleicht ein paar Brötchen und/oder Brot, vielleicht einem Stückchen Kuchen zum Nachmittagskaffee.
Vielleicht hatte sie heute mal einen guten Tag, wollte sich etwas Leckeres zum Kaffee gönnen.

Ein Unding in meinen Augen.

Egal was für ein Fest, ob mit Eintritt oder nicht, für wen auch immer was aufgebaut oder eingezäunt wird:

Die Herren hätten dieses eine Zaunsegment einfach mal schnell abmachen und diese alte Dame durchlassen können. Dieser Post wäre ein Positiver gewesen.
So aber – HUT AB vor dem Alter, es könnte auch deine Mutter, Oma oder Tante gewesen sein…

Die Reaktionen und Kommentare dazu waren bisher durchweg empört, denn es zeigt – in meinen und offensichtlich auch in anderen Augen – wie kommerziell mittlerweile gedacht, gehandelt und gefühlt wird.

Ich wünsche mir mehr Solidarität und Verständnis, insbesondere für unsere ältere Gesellschaft.
Jeder kann – ob „alt“ oder nicht – in eine solche Situation kommen, in der er einfach nur HILFE benötigt…

Ein Gedanke zu “Hut ab vor dem Alter – eine kleine Geschichte …

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