Sensibilität kontra Höchstleistung? Achtung vor der Arbeit

„Angst macht nicht nur den Körper, sondern auch das Denken eng“ – ein Zitat aus einem Artikel mit dem Thema „Angst frisst Leistung“:
link zu zeit.de – karriere…berufspsychologie
Auch wenn ich hier Gefahr laufe, dass man mich als „nicht einstellbar“ abhakt – ich stehe zu meiner Person und meinem Charakter.

Ich habe diesen Artikel mit großem Interesse gelesen und mich in einigen Passagen auch wiedergefunden.
Das „Angstfrei miteinander umgehen können“ ist von so seltener Wichtigkeit, das es mir wert war und ist, darauf mal näher einzugehen.
In einigen meiner bisherigen Arbeitsstellen habe ich leider nicht „angstfrei“ arbeiten können.
BEKLAG sm_TischVollAngefangen mit der Tatsache, dass ich als junge, knapp mitte Zwanzigjährige, nicht ins „Möchte ich haben“-Ansehen eines neuen Vorgesetzten passte, konnte ich mich tatsächlich noch etwa zwei Jahre in dem Unternehmen halten.
Halten – über Wasser halten.
Es gab Situationen, die vollkommen loyale Kollegen zum Erstarren brachte, weil sie Mitleid mit mir hatten.
Es gab Abende, wo nach den ersten Schritten aus dem Betrieb alle Tränen-Dämme brachen.
Es gab Minuten, wo dieser „dessen Name nicht genannt werden soll“ es, für alle anderen Anwesenden ersichtlich, genoß, mir eins „reinzuwürgen“.
Es gab Momente, wo ich Handskizzen-Unterlagen vermisste, die dann  komischerweise in Ordnern zum Vorschein kamen, die ich nie in der Hand hatte.
Was ich aber – selbstverständlich – nicht beweisen konnte.
Es gab Tage, an denen ich nur mithilfe von Beruhigungstabletten alles gut und sauber abarbeiten konnte, ofmals mithilfe einiger Monteure die mich unterstützten.
Es kam keiner dagegen an. Er wollte eben „seine“ Zeichnerin wieder haben.

Das zweite Mal kam ich ebenfalls erst nach gut zwei Jahren dahinter, was „an meiner Person“ nicht passend war.
Wenn eine Firma Fördermittel für die Einstellung eines Mitarbeiters erhält, ist danach im Allgemeinen eine „Nachbeschäftigungspflicht“ einzuhalten.
Die müssen dann diejenige ohne Fördergelder für Monate oder Jahre beschäftigen, um die Gelder nicht zurückzahlen zu müssen.
Nun, wenn es nach zwei Jahren also keine Mittel mehr gibt, muss „diese Mitarbeiterin“ eben solange getriezt werden, dass sie aufgibt und selbst kündigt.
Dazu gibt es von den beiden Bossen kein „Guten Morgen“ mehr, sondern „haben Sie endlich ihre Kündigung mitgebracht?!“
Dann gibt es zum Sommerfest für alle (anderen) Anwesenden ein Blümchen , für diejenige aber nicht.
Dann brüllt  einer der beiden Bosse diejenige inmitten von flanierenden Hausgästen wegen eines mit der „nicht informativen Seite“ oben liegenden Flyers so an,
dass kurz danach einer dieser Hausgäste diejenige mit freundlichen Worten beschenkt. Und dem Boss die Meinung sagt.
Was dieser natürlich entsprechend in der Personalakte einträgt – „Widerstand gegen die Obrigkeit“ nenne ich das jetzt mal.
Dann wird derjenigen ganz deutlich mitgeteilt, dass sie gefälligst ab sofort 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche und das ganze Jahr über für dieses Büro „verantwortlich“ ist.
Und gleichzeitig als Hausdame für alle Zimmer und Gäste fungieren soll.
Und wenn sie das nicht schafft oder der Meinung ist es nicht zu schaffen, muss sie eben kündigen.
Was sie nicht getan hat, sie hat fast zwei Jahre echten Boss-Terror überlebt.
Dank Hausärztin und gewisser Fachärzte konnte sie nachweisen, dass es ihr nicht mehr zuzumuten sei, dort noch weiter tätig zu sein.

Und trotz allem, habe ich es wieder gewagt und mich in ein Imperium begeben, was sich nach kurzer Praktikumszeit als äußerst schmutzig zeigte.
Schmutzig im Sinne von „niederträchtig“.
Es ist ja nicht so, dass Mensch nicht „leidensfähig“ ist. Jedoch hat jeder Mensch eine andere „Leidensfähigkeit“.
Und die Angestellten gaben alles, alles und mehr als ihnen gesundheitlich gut tat.
Die Bewohner dankten häufig und waren oftmals beschämt.
Die Firmenleitung kannte nur Zahlen. Und nahm von denen die eh schon kaum noch was hatten, ungerechtigtfertigter Weise noch mehr weg.
Ich war schlichtweg zu oft „zur falschen Zeit an der falschen Stelle“.
Die Kollegen waren froh über meine Hilfe und Unterstützung, die Firmenleitung nicht.
Betriebsrat? Was ist das? Wer dieses Wort auch nur gedacht hatte, wurde sofort mittels überlegt platzierter Gegenmittel der Arbeitsstelle verwiesen.

Und nun?
Ja, ich habe oft noch Angst, habe sie seit dem immer wieder überlisten können.
Habe mit geradem Rücken, ehrlichem und offenem Ausdruck – einer gewissen Art von Selbstbeherrschung und Besonnenheit – jedes Bewerbungsgespräch als Chance gesehen.

Wer mit Angst zur Arbeit geht, der macht eher Fehler.
Wer be- und geachtet wird, ist meistens besser.
Es zählt leider nur noch Leistung, am besten Höchstleistung.

Arbeiten ist ein wichtiger Teil eines Menschenlebens.
Arbeit ist Einkommen, Auskommen, Soziales Erleben, Miteinander und Füreinander.
Ich will auch – wieder – arbeiten.
Ich will nichtwieder – gemobbt oder gebosst werden, weil ich als Person plötzlich „nicht mehr richtig“ erscheine.
SMKONFUS
Ein ganz lieber guter Freund sagte mir gestern, ich solle mal aufschreiben, was ich alles kann. Was ich schon an Tätigkeiten getan habe.
Erstens um mein Selbstwertgefühl stabil zu halten und zweitens um auf mögliche Fragen eine gute Antwort zu haben.

Was meint ihr, soll ich das machen?

7 Gedanken zu “Sensibilität kontra Höchstleistung? Achtung vor der Arbeit

  1. Für diese Liste ist vlt. (auch wenns erstmal blöd klingt) das Arbeitsamt ganz interessant. Man kann sich online arbeitssuchend melden und dafür ein Profil erstellen. Dazu kann man in einer Liste mit tausenden Fähigkeiten alle die anklicken, die man kann, gestaffelt noch in Grundkenntnisse, erfahren, und Experte, glaube ich. Auf jeden Fall würden dir mit dieser Liste wesentlich mehr Fähigkeiten einfallen, als wenn du nur aus dem Gedächtnis alles aufschreibst. Also ich war bei mir damals sehr überrascht, wie lang die Liste wurde.

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    • danke schön, das mit dem Arbeitsamt-Profil kenne und habe ich schon. Da geht es ja hauptsächlich um fachliche, spezielle Kenntnisse.
      Aber ich werde da mal wieder „reingucken“, ob es neue Häkchen zu setzen gibt.
      Insgesamt bin ich schon erstaunt was bisher alles auf „meiner Liste“ steht… 😉

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  2. Hm, ich weiß auch kein Patentrezept. Mobbing ist leider suuuper häufig. Vielleicht magst du Blogbeiträge darüber lesen, um zu sehen wie es anderen damit geht und dass du nicht alleine bist.

    Die Liste finde ich auch eine super Idee, denn es ist ganz klar dass du ganz viel kannst und es nicht an deinen Fähigkeiten lag…

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