attraktiv und interessant – das klingt doch gut!

Das hört sich ja erstmal oder besser schonmal ganz gut an, was die Bundesregierung weiter in Gang bringen will. Der Pflegeberuf soll in der neuen Pflegereform angemessener und attraktiver gestaltet werden. Das soll den Pflegenden und den zu Pflegenden zugute kommen:
link zu bundesregierung.de – Pflegereform-Pflegeberufe

Es ist ein interessanter Ansatz, der im Gespräch ist:
Erstmal eine Art „Grundpflege“ erlernen, um dann in einem „Vertiefungseinsatz“ den eigenen Weg zu finden und zu vertiefen.

Denn – erstmal ist Pflege ja nicht „nur“ das, was immer noch Manche darunter verstehen: „Windeln“, „Bespaßen“ oder „Tabletten austeilen“.

Aus meiner Tätigkeit im Demenzbetreuungsbereich weiß ich zm Beispiel, dass Demenz nur ein „Oberbegriff“ ist. Es gibt unterschiedliche Arten und Stufen, dazu die Verhaltensweisen, es kommen körperliche, psychische und nervliche Krankheiten oder Bedingungen dazu, die beachtet und zusammenbedacht werden müssen.

Ein kleines Beispiel:
Wenn Frau „Müller-Meier-Schulze“ aufgrund ihrer Schwerhörigkeit eigentlich ein Hörgerät bräuchte, um überhaupt mitzubekommen, dass sie angesprochen wird, dann muss man auch darauf achten, dass sie dieses Gerät nicht als Zahnersatz oder als Brosche an ihrem Strickjäckchen verwendet.
Denn Herr „Schulze-Müller-Meier“, der mit seinem Rollstuhl fröhlich durch die Gänge fährt und gerne mit den Damen ein Schwätzchen hält, bekommt diese „Brosche“ dann vielleicht zu sehen, fragt die Frau „Müller-Meier-Schulze“ wo sie das hübsche Teil denn her hat und diese antwortet ihm nicht.
Weil sie das nicht gehört hat. Herr „Schulze-Müller-Meier“ ist erst kurz verwirrt, dann fragt er vielleicht nochmal, reagiert dann empört, da die Dame ja offensichtlich nicht mit ihm reden möchte.
Frau „Müller-Meier-Schulze“ wiederum lächelt, erstmal, da sie sich über den Herrn neben ihr ganz arg freut. Der dann aber böser guckt als sie verstehen kann, was bei ihr aufgrund ihrer demenziellen Verhaltensweise zu Irritation und Wutausbrüchen führen kann.
Diese zeigen sich möglicherweise im Herumschleudern von Untertassen, die sie aufgrund ihrer Parkinson ja sowieso kaum richtig festhalten könnte. Dann wird vielleicht noch eine völlig unbeteiligte Person von so einer „fliegenden Untertasse“ getroffen… man ahnt, was alles passieren könnte…

Insgesamt habe ich solche und ähnliche Begegnungen tagtäglich immer wieder und in
verschiedensten Situationen erlebt. Was ich als Betreuungskraft dann gemacht habe?

Ich bin – aufgrund meines Instinktes, meines Wissens und meiner Empathie ganz ruhig zur Frau „Müller-Meier-Schulze“ hingegangen, habe mich zu ihr gesetzt, mit ruhig-freundlich aber bewusst deutlich mit ihr unterhalten und sie eben gefragt, ob ich mir die hübsche Brosche mal ansehen dürfte.
Erfreut sagte sie zu, so dass ich mit Bewunderung und Humor dieses Teil ganz sachte wieder dorthin steckte, wo es eigentlich hingehörte. Was natürlich für Verwunderung sorgte, nicht nur bei ihr.
Denn das „Was machen Sie denn da mit meiner Brosche???!“ kam nicht nur von ihr. Sie hörte aber plötzlich wieder was.
Sie verstand plötzlich wieder, das Herr „Schulze-Müller-Meier“ sagte: „Hey, Mädel, die Brosche sieht an deinem Ohr aber auch ganz toll aus!“
Da kam ihr die Erkenntnis, dass dieses „Ding“ vielleicht als „Ohrring“ auch ganz schick ist. Und sie hörte damit besser, was um sie herum passierte.

Nun mag man sich darüber streiten, ob es ihr gegenüber fair ist, sie mit dem „Hörgerät-Broschen-Unsinn“ so „stehen- bzw. sitzen zu lassen“.
Es führte jedenfalls zu einer unglaublich netten Freundschaft zwischen dem Herrn, der Dame und dem „Ding“.
Und es flogen keine Untertassen herum, vor denen sich andere gar nicht so schnell hätten ducken können…

 

 

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