Demenz-Pflege: wer, womit & wie?

Oma „Mustermann“ kann noch gut lesen, aber sie vergisst das Gelesene nach einigen Minuten und legt dann die Zeitung in den Kühlschrank…
Dort wird sie aber niemals nach ihr suchen, die Zeitung ist eins der liebgewonnenen „Rituale“ ihres Lebens. Die Zeitung gehört einfach dazu. Schon immer. Auch wenn Oma „Mustermann“ sich nicht mehr an die vergangenen Minuten, Tage oder gar an die letzte Musikrunde erinnert…
Dann schaut sie nach ihrer alten, braunen Armbanduhr, stundenlang sucht sie unter Deckchen und Kissen, wenn sie könnte würde sie bestimmt auch unter Schränken nachsehen. Sie findet die Uhr nicht und wird unruhig…
Es macht sie traurig, wütend und laut, wenn sie etwas nicht findet.
Auch wenn sie es selbst „verlegt“ hat, was sei natürlich nie bestätigen oder zugeben würde. Das Wesen der Oma wirkt dann oft „launisch“.
Am Schrank in der „Kammer“ kleben Zettel.
„Links = Blusen“ … „Rechts = Röcke“.
Netterweise kleben diese Zettel an der richtigen, angekündigten Seite.
Aber, was sind „Blusen“?
Oma „Mustermann“ macht die Schranktür auf und siehe da, ihre schöne weiche graubunte Leinenbluse… aha.
Sie weiß aber wiederum, was 1947 am soundsovielten Mai „passiert“ ist. Da hat sie vielleicht geheiratet, das vergisst sie nicht. Die alten Bilder sind in ihrem Kopf. Dafür braucht sie kein Fotoalbum oder ein „Erinnerungsbuch“, ihren Mann glaubt sie an manchen Morgen noch neben sich. Dann möchte sie das zweite Gedeck für ihn mit auf dem Tisch stellen …

Einige Jahre war ich nachbarschaftlich, freundschaftlich und auch beruflich mit älteren Herrschaften zusammen. Dabei habe ich immer wieder aufs Neue gemerkt und gespürt, wie wichtig die Älteren sind, für uns und unsere ganze Gesellschaft.
Nicht nur wegen ihren Erlebnissen, ihren Tricks, Hausfrauentipps oder Rezepten, sondern auch wegen ihrem Lebensmut und ihrem ganzen Wesen.
Sie haben durch viele Erlebnisse oft ein ganz anderes Empfinden und verdienen es genauso wie alle anderen Wesen, mit Respekt und humorvoller, ehrlicher Würde be- und geachtet zu werden.
Es sind Momente des Lachens, des Weinens, des Glaubens und vieler Gefühle, Wut, Ärger, auch Ungerechtigkeit und Aggression. Oft wieder Liebe und Zuwendung.

Dies alles sollte man mit beachten, wenn diese neue Pflegeeinstufungen losgehen sollen:
Kann man Regungen, Charaktere, Empfindungen und Gefühle „einstufen“?

Link: tagesschau.de: Pflegereform
der Artikel ist gut geschrieben und ich bin wirklich gespannt, wie das „weitergeht“.

Volksstimme.de: Kommentar

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